Junge Kunst, Nr. 53 Januar-März 2003
5000 Köpfe rollen durch Europa
Claudia Rogge mit gläsernem Lastwagen auf Projekt-Tour unterwegs
Wenn die 36jährige Claudia Rogge mit dem LKW durch die Straßen fährt, schauen die Leute staunend und neugierig auf den mit rosa Puppenköpfen prall gefüllten gläsernen Aufbau.
Die Finalität des Kunstprojektes "m o b" (Masse und Mobilität) ergibt sich für Rogge vor allem aus den zahlreichen Dialogen, die sie mit interessierten Passanten in bisher 19 europäischen Städten (u.a. Berlin, München, Brüssel, Paris, Amsterdam) geführt hat.
Die seit 1992 freischaffende Künstlerin und studierte Kommunikationswissenschaftlerin Claudia Rogge arbeitet seit vielen Jahren im öffentlichen Raum. Allerdings gehören auch zahlreiche "verkäufliche" und "materielle" Kunstwerke wie Raumobjekte, Installationen und Videoinstallationen zum Kontext ihrer umfangreichen Arbeit. Mit teils provokanten Projekten versucht sie immer wieder, die gewohnte Umgebung der Menschen zu verfremden und Diskussionen auszulösen. "Dezember", "Ein "Ich" hinter dem "Ich", "Birth-Build", "Restposten" und "Die sieben Todsünden" waren einige interessante Kunstprojekte, mit denen Rogge die Öffentlichkeit zwischen 1999 und 2001 auf sich aufmerksam machte. Die Künstlerin, die überings wegen ihrer provozierenden Performances vor allem in Düsseldorf mehrfach Ärger mit dem Oednungsamt bekommen hat, entschloss sich, eine eigene Bühne zum Mitnehmen bauen zu lassen.
Ermöglicht wurde das Projekt "m o b" u.a. durch den Kunstförderpreis der Kurt-Eisner-Kulturstiftung der Stadt München, sowie durch das Kulturamt der Stadt Düsseldorf. Eine sechs Meter lange und drei Meter hohe Konstruktion aus feuerfestem und bruchsicherem Plexiglas, bestückt mit 5000 in Hongkong gefertigten Plastik-Kinder-Köpfen steht im Mittelpunkt des Projektes. Die Installation erhielt durch die massenhafte Anhäufung der haarlosen und gleich aussehenden Puppenköpfe eine unvertraute und irritierende Optik. Claudia Rogge betont:" Und gerade diese ungewohnte Wahrnehmung der Installation schaffte es, die Neugier und Aufmerksamkeit der Passanten zu binden und intensive Kommunikationsprozesse auszulösen. Quer durch alle Alters- und Sozialschichten kam es zu unterschiedlichen Assoziationen und Interpretationen. Durch die Bewegung des Lasters gelang sozusagen eine Bewegung bei den Rezipienten, die sich interessiert mit mir oder untereinander über die Installation auseinander setzten."
Die Reise mit dem Lastwagen voller Puppenköpfe hat im April 2002 auf dem Schadowplatz in Düsseldorf begonnen. In deutschen Städten wurde sie bei ihrem Projekt sofort auf das Thema Gen-Technik angesprochen, während sich im Ausland ganz andere Assoziationen herausbildeten. In Belgien beispielsweise brachten die Passanten die Puppenköpfe mit dem Kinderschänder Dutroux in Verbindung, in Paris wiederum wurde die Installation viel politischer aufgefasst. Schon im Verlauf der ersten Reisen stellte sich ein wachsender Wiedererkennungswert, ein steigender Bekanntheitsgrad ein.
Für 2003 ist ein weiteres "m o b" Projekt geplant, das wiederum eine Reise durch deutsche und andere europäische Städte beinhaltet. Womit Rogge diesmal überraschen möchte, bleibt vorerst noch geheim... .
Dieter Göllner
