General Anzeiger Bonn, Feuilleton, 26. Juni 2003
66 nackte Männer gehen für sie in die Knie
Zum internationalen Symposium "The Body as Interface" der Bonner Uni kommt auch die Künstlerin Claudia Rogge mit ihren Kunststoffmännern im Rahmen der "LKW-Europa-Tour"
Von Antje Lorscheider
Bonn. Mit einem Kunstwerk aus 66 nackten Männern tourt die Düsseldorfer Künstlerin Claudia Rogge durch Europa. Die Kunststoff-Figuren knien in gebückter "Gebetshaltung" auf der Ladefläche eines - bis auf das Cockpit - transparenten 7,5-Tonners, mit dem Rogge im vergangenen Jahr als "rollendem Kunstwerk" erstmals Aufsehen erregte. Damals war sie mit "m o b IL1" - einer mobilen Installation aus 5 000 zusammengepferchten Kinder-Kunststoff- Köpfen aufgebrochen.
Gewisse Details wurden "komplett weggefräst": Claudia Rogge inspiziert ihre Männer-Installation. Foto: dpa
Start für "m o b IL2" als Fortsetzung war in Düsseldorf. Die LKW-Tour führt die Künstlerin als Fahrerin zunächst in Richtung Köln, Bonn und Frankfurt, bevor es Rogge in den Norden und Süden der Republik zieht, um dann in Belgien, Frankreich, England, den Niederlanden, Österreich, Tschechien und Ungarn aufzutauchen. Im November kommt das rollende Kunstwerk ins Ruhrgebiet.
Die Bonner Station der Künstlerin wird von einem dreitägigen internationalen Symposium, das vom 26. bis 28. Juni unter dem Titel "The Body as Interface: Dialogues between the Disciplines" im Universitätsclub, Konviktstraße 9, stattfindet. Die Tagung, zu der Referenten aus Deutschland, der Schweiz und den USA erwartet werden, beginnt am Donnerstag, um 16 Uhr.
Bei dem Treffen, das vom Nordamerika-Studienprogramm der Uni veranstaltet wird, steht der menschliche Körper als Schnittstelle für einen Dialog zwischen den Kultur-, Sozial- und Naturwissenschaften im Zentrum der Diskussion.
Gleichsam als Anschauungsmaterial dient die Installation "m o b IL2" der Düsseldorfer Künstlerin Claudia Rogge. Sie stapelt Männerfiguren in drei Etagen à 20 Stück. In einem "ganz geradlinigen, eher militärischen Rhythmus" (Rogge) schauen je elf pro Längsfront aus dem LKW.
In der Arbeit mit den nackten Gebückten stecke kein "tiefenpsychologischer Ansatz", betont die Künstlerin. Auch nicht in der Tatsache, dass diese "kastriert" seien. Das Detail ihres Geschlechtsmerkmals sei der Einfachheit halber "komplett weggefräst".
Zunächst interessiere sie künstlerische Form - eine, die auch als "Masse" und im LKW funktioniert. Dass diese dann "konnotiert" ist, dass es zu Interpretationen und Assoziationen kommt, liege in ihrer Absicht. "m o b IL1 und 2 sind kommunikative Projekte."
Das Spannende an ihnen sei, dass die Reaktionen vom Ort bestimmt würden. So hätten Franzosen angesichts der für "m o b IL1" auf der LKW-Ladefläche getürmten Köpfe oft an die Guillotine gedacht. Die Interpretationen seien auffallend oft negativ, resümiert die Künstlerin. Dafür sorgten die Menge an Objekten und deren Uniformität. "Mit Masse haben die meisten Menschen aus historischen wie individuellen Gründen ein Problem." Allerdings waren die Reaktionen überwiegend konstruktiv.
Das aktuelle Programm der Bonner Tagung steht im Internet unter www.nap.uni-bonn.de. Anmeldungen per E-Mail:
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. Näheres zu Claudia Rogges Biografie und ihrer Arbeit: www.claudia-rogge.de
(25.06.2003)