Stern.de, 16.März 2010



Claudia Rogge: A Retrospective: Der Mensch in der Masse

Die Düsseldorfer Fotografin Claudia Rogge thematisiert in ihren Arbeiten immer wieder den Widerspruch zwischen Individuum und Gesellschaft.

Claudia Rogges Retrospektive war im Frühjahr 2009 in Moskau eines der Ereignisse der Ausstellungssaison. Erstmals war dort ein chronologischer Überblick über die Kunst der Fotografin zu sehen.

Claudia Rogge studierte von 1986 bis 1987 in Berlin und von 1988 bis 1992 in Essen Kommunikationswissenschaften. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Bereits mit ihren früheren Projekten mob il 1 und mob il 2 (2002 bis 2004) sorgte sie für Aufmerksamkeit. Mit einem eigens für ihre Installationen gebauten gläsernen Lkw reiste sie durch Europa.

Eine der im Lastwagen "beherbergten" Installationen bestand aus einem 5000-fach vervielfältigten Abguss eines Babykopfes. Wo immer der LKW auftauchte, zog er neugierige Passanten an.

Kernthema der Arbeiten von Claudia Rogge ist das Verhältnis von Massengesellschaft und Individualismus. Das Individuum taucht deswegen bei ihren Werken nie allein auf, sondern immer in Massenszenen.

In ihren Fotoarbeiten entwickelt sie diese Thematik fort und konzipiert eine einzigartige Methodik. Sie choreografiert Bilder, die wie ein einziger Schuss aussehen. Dabei entstehen ihre Massenszenen jedoch aus einer Vielzahl von Einzelbildern.

Nur wenige Fotokünstler beherrschen das Spiel mit den Möglichkeiten der digitalen Montage auf eine ebenso perfekte, weil zweideutige Weise. Meister dieser Technik sind auch Andreas Gursky oder Andreas Gefeller.

Das Irritierende an den Arbeiten von Claudia Rogge ist stets das Nebeneinander von glänzender Ästhetik und einem Gruseln, das die Uniformität der gezeigten Figuren stets mit sich bringt.

Claudia Rogges Arbeiten haben immer ein irritierendes Element in sich, man kann sie nie störungsfrei genießen. Die glänzende Ästhetik kontrastiert mit der Uniformität der gezeigten Figuren.

Ihre schonungslose Aussage ist: Individuen gibt es nicht. Alle Menschen spielen nur eine Rolle und gehen in der großen Masse auf.