Die Welt, welt.de 05.Juni 2010
Gute Kunst findet man einfach
Die 26. Art Amsterdam: Erfolgreich, aber der Hallenplan hat Mängel
Von Marianne Hoffmann
Noch im Mai vergangenen Jahres wagte man nicht daran zu denken, wie die Art Amsterdam ohne Anneke Oele sich in 2010 erfolgreich präsentieren könnte. Und es stellte sich die bange Frage: Wer wird in die großen Fußstapfen von Anneke Oele passen? Als der Name von Edo Dijksterhuis fiel, war das sicherlich für viele eine Überraschung. Dijksterhuis kommt von der Zeitung, genauer gesagt war er für den Kunstbereich bei "Het Financieele Dagblad" zuständig. Der Mann, mit den imponierenden Augenbrauen, saß auch in der Kommission der Mondriaan Stiftung, die mit der Fortis Bank zusammen zinnslosen Darlehen für Kunstkäufe vergibt. Im August 2009 wurde seine Nominierung bekannt , bis Mai 2010 hatte er Zeit sich auf seine Aufgabe vorzubereiten.
Schon Anneke Oele hatte der Messe über Jahre ein frisches Outfit verpasst. Breite Gänge, lichtdurchflutete Halle, Orte der Begegnung in großzügigen Restaurationen. In diesem Jahr schien es allerdings so, als wäre das vorangegangene Konzept nicht gut genug gewesen und man müsse am Lageplan noch feilen, wo es nichts zu feilen gab und Inseln bilden, die aber, wie es so oft bei Inseln ist, vom Publikum nicht erreicht wurden. Rüdiger Voss (Düsseldorf), im vergangenen Jahr zum ersten Mal dabei, fand sich in einer solchen Inselsituation wieder. Weniger Menschen bei vollen Hallen. Doch hier zeigte sich mal wieder, gute Kunst wird gefunden. War Voss schon im vergangenen Jahr mit Claudia Rogge erfolgreich, so auch in diesem Jahr. Neu dabei hatte er Masaharu Sato, der in den Niederlanden auf reges Interesse stieß und Voss einige Museumsanfragen mit nach Hause nehmen konnte.
Fragt man ihn danach, was das Besondere an der Messe in Amsterdam ist, hebt er die ungewöhnliche Atmosphäre hervor und verweist auf das "Einheitsgewand" der anderen Messen, das man hier nicht findet. Amsterdam ist für ihn ein Tummelplatz in Europa, der zwar geprägt ist von den niederländischen Galerien, jedoch wird dem europäischen Kollegen die Hand zur Unterstützung gereicht. Auch im nächsten Jahr wird Voss wieder dabei sein.

Bildunterschrift: Claudia Rogge ist auf der Art Amsterdam eine sichere Bank. Ihre Rapport-Bilder kosten bei Voss in Düsseldorf 14 000 Euro.
Doch für manchen, der sich seit 20 Jahren auf der Messe tummelte, kam durch den neuen Direktor das Aus. Auch hier ist die Suche nach dem unverwechselbaren Profil wichtiger, als der Name, der hinter mancher Galerie steht. dr. julius aus Berlin versteht sich als Vertreter der konkreten Kunst. Er wurde von Edo Dijksterhuis auf der Art Fair in Köln angesprochen und zur Teilnahme aufgefordert. Der Niederländer liebt neben Kobra und allem was bunt ist, das Minimalistische. Mit Wolfgang Bernd und Ingrid Cerny hatte er, wahrscheinlich auch preislich, den Geschmack, nicht nur der Niederländer, getroffen. Zwischen 1000 und 3000 Euro kostete ein digitaler Abdruck auf Fotopapier von Wolfgang Berndt. Bei Frau Cerny musste man schon einmal 5000 Euro hinlegen. Für Matthias Seidel, den Inhaber der Galerie, steht die Teilnahme im kommenden Jahr schon fest.
Jeroen Dijkstra, Inhaber der Livingstone Galerie aus Den Haag, wollte sich an der Messe eigentlich nur mit seiner Nachwuchskunst beteiligen, wurde aber von der Leitung der Kunstmesse aufgefordert, sich doch auch mit seinen arrivierten Künstlern zu präsentieren. So nahm er Werke von Marina Abramovic mit, die er mit unglaublichem Erfolg verkaufte, ebenso die Kohlezeichnungen von Raquel Maulwurf und Jan Wattjes monumentale Ölgemälde mit minimalistischem Inhalt. Auch Jeroen Dijkstra beschwerte sich über seine neue Standposition, aber auch bei ihm galt: gute Kunst wird gefunden.
Verwirrung nicht nur bei den Galeristen. Verwirrung vor allem beim Publikum. Manch einer suchte verzweifelt den Ausgang, (ein Schelm der Böses dabei denkt) manch anderer seine Leib- und Magengalerie. Er durfte sich hierbei nicht auf die Kojennummer verlassen und schon gar nicht auf die Nummerierung im Katalog. Manch einer hatte lautstark über seinen Kojenplatz geschimpft und wurde dann noch umgesetzt.
Doch die Kojenummerierung konnte dem nicht mehr angepasst werden. Viele deutsche Galerien, unter andrem Rupert Pfab aus Düsseldorf oder Galerie Conrads, ebenfalls Düsseldorf, waren nicht mehr dabei. Andere haben aus Protest an der Messe nicht mehr teilgenommen und planen jetzt - wie bei anderen Messen auch- eine Konterveranstaltung.
22 205 Besucher hatte die Art Amsterdam 2010. Diese Zahl spricht für sich. Einiges ist am Erscheinungsbild der Messe verbesserungsfähig, anderes kann unter Unerfahrenheit und Anfängerfehler subsumiert werden. Vor allem die unglaubliche Anzahl an Kojen., die Kunstvereinen, Museen und Stiftungen (31!) zur Verfügung gestellt wurden. Das kam bei den Galeristen gar nicht an, denn hier war von Kommerz nichts mehr zu spüren und darum geht's bei einer Kunstmesse vorrangig. Das sollte man als Macher wissen. Vor allem, wenn man von einer Finanzzeitung kommt.
