Rheinische Post, Die Blasen der Gesellschaft, 09. März 2009


Die Blasen der Gesellschaft


Die Künstlerin Claudia Rogge liebt die öffentliche Provokation. Jetzt setzte sie vor Eröffnung ihrer Ausstellung in der Galerie Voss die Mühlengasse komplett unter Schaum. Kinderspaß? Blöder Effekt? Die feine Ausstellung hält, was das Präludium verspricht.

Von Werner Schwerter

Wahrlich eine Hemmschwelle: zur Eröffnung der Ausstellung von Claudia Rogge waberte ein Gebirge von Seifenschaum vor der Galerie Voss und nahm fast die ganze Breite der Mühlengasse ein. „Betreten auf eigene Gefahr“, warnte ein Schild am Eingang. Schlaue schoben Regenschirme wie Raumpflüge vor sich her und bahnten sich den Weg. Lustige genossen das Bad in den Flocken. Endlich am Ziel angekommen, hatte man die Wahl: Entweder man trug während der Vernissage als Beweis des Kunstverständnisses über der Kleidung zusätzlich einen Mantel aus Schaum, der sich allmählich auflöste – oder man griff zu den dargebotenen Handtüchern und befreite sich flugs von der Zumutung.
Die Düsseldorfer Künstlerin Claudia Rogge, die früher schon mal im öffentlichen Raum mit einem Container voller Schweineköpfe die Ordnungshüter zum Einschreiten veranlasst hatte, gönnte ihrem Publikum nun einen Kinderspaß. Eine Schaumparty als Vorspiel für Bilder, die zum Teil auch mit diesem Thema spielen.
Das Schicksal hätte uns als Teil des Publikums und des Konzeptes an diesem Abend schlimmer treffen können, erkennt man in der Schau auf den ersten Blick: Denn dort ist im Großformat auch eine blutrote Schlacht von Halbnackten mit Tomaten zu sehen.
Doch auch die mit dem Schaum verbundene Idee der Sauberkeit hat ihre Tücken. Rogge denkt an das Zerplatzen von Hoffnungen, Träumen, an Vergänglichkeiten aller Art, „die Blasen der Gesellschaft“.
Das Happening war Werbung für ihre eigenen Bilder: Irritierend schön, changierend zwischen Kunst und Künstlichkeit.