Rheinische Post, Düsseldorf, 15.März 2002

Projekt von Claudia Rogge
Die Straße wird zur Bühne

Werner Leonhardt, Rechtsdezernent der Stadt Düsseldorf, hat ihr gedroht, in Düsseldorf bekomme sie für Installationen im Straßenraum keine Genehmigungen mehr. Claudia Rogge provozierte die Ordnungshüter, als sie vor zwei Jahren vor dem Carschhaus einen Container aufstellte, aus denen Schweinsköpfe herausragten. Schnell waren Polizei und Ordnungsamt vor Ort und verboten die vorher genehmigte Aktion. Viel weniger Aufregung gab es, als sie vorher Obdachlose und Migranten in den Container sperrte. Die Straßenkunst, mit der die 36jährige Düsseldorfer Künstlerin an die Öffentlichkeit geht, spielt mit Sehgewohnheiten. Wer wie sie Kommunikationswissenschaften studiert hat und künstlerisch arbeitet, ist an Bildern interessiert, die Menschen fesseln oder sie wirklich berühren. So projizierte sie Geburtsszenen auf öffentliche Gebäude oder bringt massenhaft Würstchen auf den Weihnachtsmarkt. Als Künstlerin will sie aber keinesfalls permanent mit erhobenem Zeigefinger dastehen. "So heilig bin ich nicht." Sie will weder missionieren noch provozieren. Sie findet es vielmehr spannend, einfach bei den zufälligen Passanten Gedankenprozesse in Gang zu setzen.
In einer Welt, in der das wirtschaftliche Interesse vorrangig ist, wird ihre Leidenschaft für die künstlerischen Überzeugungen oft nicht verstanden. Jetzt wagt sie einen neuen Anlauf - in ganz Deutschland. Mit einem Lastwagen samt gläsernem Container fährt sie durch viele deutsche Großstädte und das benachbarte Ausland. In der Glasbox installiert sie 5000 Puppenköpfe. Gen-Technologie, Klonen, Auschwitz, Abtreibung, Massenkonsum - die Assoziationen der Betrachter fielen bisher höchst unterschiedlich aus, was durchaus erwünscht ist. Am 2.April beginnt die Tournee.
Heribert Brinkmann