NRZ, Düsseldorf Kultur, 22.Juni 2001

Die Trägheit war ihr letzter Streich

Performance/Ende gut, alles gut: Gestern auf der Schadowstraße beendete Claudia Rogge ihren Zyklus rund um die sieben Todsünden.


Petra Kuiper

Zu guter Letzt ging alles gut:
Claudia Rogge hatte gekämpft, gestritten, gehadert, mußte weichen und ärgern. Und trotzdem: Gestern auf der Schadowstraße fand ihr Performance-Zyklus "Die sieben Todsünden" ein glückliches Ende. "Aus den ursprünglich geplanten sieben Wochen sind insgesamt drei Monate geworden, zog Mitstreiter Mike Neubauer schmunzelnd Bilanz.
Nach den Themen "Zorn", "Hochmut", "Wollust", "Neid" und Co widmeten sich die beiden von Ordnungskräften oft verscheuchten Aktionskünstler gestern dem letzten Stichwort. Der "Trägheit". Sieben Sofas waren auf der Schadowstraße aufgebaut - eine Einladung zum Niederlassen, Verweilen, Innehalten und Diskutieren - mitten in der Hektik der City. "Die Menschen rennen und rennen", beschrieb Rogge ihr Projekt, "und haben keine Zeit zum Nachdenken. Auch das ist eine Form von Stillstand, von Trägheit."
Unterschiedlich die Reaktionen der Passanten: Viele liefen - rennen,rennen,rennen - einfach schnurstracks an der Reihe vorbei. "Die wundern sich nicht einmal", staunten Rogge und Neubauer. Andere blieben stehen, fragten nach (Was soll denn das?") - wieder andere nahmen die Einladung kurzerhand an und machten Pause. "Stoppen beim Schoppen", witzelte Neubauer, "das ist hier eine echte Marktlücke."
Gleichzeitig ließen die zwei ihre Aktion Revue passieren. Per Sofa: Da stand beispielsweise "Schweig!" auf den Sitzkissen - als Erinnerung an das Thema "Zorn". Oder "Investiere" - passend zur Sünde "Gier" Indes nahm ein junger Mann mit Handy auf dem Schriftzug "Leiste!" Platz. Dem Begriff zum Stichwort "Wollust"...
Ihre Aktionen hätten viele Defizite im Umgang mit Kunst aufgedeckt, betonte Neubauer. "Von städtischer Seite - und von Passanten-Seite aus". In den 70-ern beim alten Beuys wäre das alles noch ganz anders gelaufen.