Die Welt, Kunstmarkt, 18. Juni 2005,

Fotografien von Claudia Rogge in Düsseldorf

Die in Düsseldorf lebende Künstlerin Claudia Rogge (*1969) wurde durch ihr Projekt "mob il " und " mob" Europaweit bekannt. Sie ließ dafür die Ladefläche eines LKWs aus Glas gestalten, und installierte in einer ersten Aktion 5000 Babyköpfe, in einer zweiten, 66 gegossene, nackte Männerkörper. Männerkörper in Demutshaltung. Claudia Rogges Interesse gilt dem Phänomen der Masse, dem sie sich auf unterschiedliche Art und Weise nähert. Die Erfahrung, wie Masse auf Masse reagiert, hat sie zu neuen Werken animiert. In ihren jüngsten Fotoarbeiten hat sie das Massenphänomen neu interpretiert. Ausgangspunkt ist die Ordnungsstruktur hinsichtlich der Selbstwahrnehmung des Individuums in der Gesellschaft. Eine Geste, eine Körperhaltung, ein besonderes Kleidungsstück ergeben ein Menschenportrait, das mit Hilfe des Computers solange vervielfältigt wird, bis sich eine Struktur ergibt, die sowohl Ornament, als auch Rapport ist. Letztendlich geht es hier um nichts weniger als die Ursprünge der Abstraktion und ihre Folgen. Eine Frau mit streng nach oben gezwirbelten Haaren im schwarzen Ledermantel, steht mit dem Rücken zum Betrachter. Die militärische Haltung, der Faltenwurf im Schulterblattbereich erinnert an eine militärische Formation, die nach und nach aus dem Blickfeld des Betrachters entschwindet. Ein kleiner Junge mit ausgeprägtem Profil, trägt Anzug und zeigt Haltung, eine Nackte, ein Nackter in unterschiedlichen Posen, sie alle bilden das Grundmuster für die Massenproduktion Mensch. Gebannt in die Bildgröße von 150 x 200 cm zum Preis von 5.800 Euro (Auflage 3). Spannende Fotografie mit der Frage nach dem Individuum.


Zur Ausstellung ist ein Katalog ( 20 Euro) erschienen

Marianne Hoffmann