Financial Times Deutschland, 18. Juli 2005

Klon-Kunst: Claudia Rogge

von Judith Borowski

Bekannt wurde Claudia Rogge mit ihrem Projekt "mob": einem gläsernen Lastwagen, auf dem sie Installationen durch Europa kutschierte. Schon damals beschäftigte die Menge, die Masse die Künstlerin - etwas, womit sich in der Kunstszene noch nicht viele auseinandergesetzt haben. Beim Anblick von Rogges Fotomontagen weiß man nicht: In welchem Kontext sammeln sich die immer gleich bezopften jungen Mädchen? Zu welchem Zweck drängeln sich die Frauen aneinander? Selbst in Westeuropa, wo "Masse" im Allgemeinen ein negativ besetzter Begriff ist, sind die Assoziationen sehr unterschiedlich. In Deutschland dachten Betrachter zumeist an NS-Ästhetik, in Frankreich hingegen assoziierten sie beim Anblick Rogges gebückter Männerklone im Lastwagen eher Sklavenvergangenheit. Tatsächlich jedoch werden Menschen durch Rogges Multiplikationen zu nichts mehr als einem Ornament. Bei ihren jüngsten Fotoarbeiten werden Einzelaufnahmen von Kindern, Frauen oder Männern am Rechner aneinander gereiht, bis der Einzelne kaum noch erkennbar ist. Auf so simple Art gelingt der fast manisch arbeitenden und vielfach prämierten Düsseldorferin ein außergewöhnlich künstlerisches Werk.