NRZ, Kultur in Düsseldorf, 07.Juni 01
"Schritt in die richtige Richtung"
Kulturpolitik/Deckung für Claudia Rogge:
Ab jetzt entscheidet das Kulturamt mit.
Petra Kuiper
Am Ende lächelte sie doch: Als SPD-Politikerin Gisela-Johanne Fuchs Claudia Rogge vor dem Sitzungssaal noch einmal ihre Unterstützung zusicherte, hellte sich das Gesicht der Künstlerin auf: "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung - innerhalb von Grenzen", kommentierte sie die Haltung des Kulturausschusses, sich künftig in die Vergabe von Genehmigungen für Kunst im öffentlichen Raum einzuschalten. Gestern stand das Problem "Rinderhälften, Schweineköpfe" erneut auf der Tagesordnung. Und diesmal kam auch die Protagonistin selbst zu Wort.
Hintergrund: Immer wieder war Rogge durch provokante Installationen in der City aufgefallen. Zuletzt, als sie in Analogie zu den sieben Todsünden Schlagzeilen in Szene setzte: Da wurden unter dem Stichwort "Völlerei" Rinderhälften präsentiert, zum Thema "Zorn" Eisblöcke versenkt - ein anderes Mal ließ Rogge Gott beerdigen. Als Beitrag zur Todsünde "Hochmut". Zum Eklat kam´s Mitte Mai. Beim Thema "Neid": Obwohl Rogge eine Genehmigung für ihre Installation auf dem Burgplatz hatte, musste sie das Feld räumen. Anlass: Sie hatte sich von dem zugeteilten entfernt, weil ein starker Wind wehte, der die Stabilität des Werkes gefährdete. "Fünf Meter nur", beteuerte sie gestern. "Und das nach Absprache mit den betroffenen Pächtern."
In der gestrigen Sitzung verlas Kulturdezernent Grosse-Brockhoff einen Brief des Beigeordneten Werner Leonhardt. Inhalt: Frau Rogges genehmigte Aktion sei vom Ordnungsdienst unterbunden worden - künftig werde der Kulturausschuss in die Entscheidungsfindung einbezogen. "Ein Schritt zur Grundsicherung kutureller Belange", urteilte Ausschusschef Wolfgang Kamper (CDU). Dagegen sucht Alexander Fils (CDU) sein Heil in der Distanz: Man verstünde sich ja als offene Stadt. Aber es gebe Spielregeln...
"Das Ordnungsamt schießt sich ein auf meine Person", schimpfte Claudia Rogge. In anderen Städten würden ihre Installationen auch geduldet. Und überhaupt, "lass ich mich nicht auf Schweineköpfe reduzieren". Draußen erläuterte ihr Politikerin Fuchs dann das Prozedere: Künftig würden Rogges Anträge auf Genehmigung ihrer Kunst dem Kulturamt überstellt. "Ab jetzt", versprach sie, "werden sie es leichter haben."