Die Welt, Kunstmarkt, 29.01.05,
Kunst-Boom in Bologna
Die Messe "Arte Fiera" erstrahlt in neuem Glanz - Viele Teilnehmer aus Deutschland
von Marianne Hoffmann
Silvia Evangelisti hat sich für "ihre" Messe, die "Arte Fiera", viel vorgenommen in diesem Jahr: . Neue Hallen, stringentere Auswahl der Galerien, vor allem bei den italienischen. Das Konzept scheint aufzugehen, das Qualitätsniveau ist bemerkenswert hoch.
Bologna ist in Italien nach Mailand die zweitreichste Stadt und der Stammsitz von Luca di Montezemolo, dem Ferrari-Fürsten und nun Chefsanierer der angeschlagenen Fiat-Gruppe. Luca di Montezemolo ist auch Präsident der Messe. Er läßt es sich nicht nehmen, seine Termine nach der Messe auszurichten, ein VIP-Programm für Sammler bei Ferrari zu veranstalten und selbstverständlich Präsenz auf der Messe zu zeigen. Auch wenn er mittlerweile aus verständlichen Gründen seinen Wohnsitz nach Rom verlegt hat.
Doch neben Luca di Montezemolo findet man auf dieser Messe alles, was Rang und Namen hat, und das scheint sich bei den Galeristen, zumindest in Europa schon herumgesprochen haben.
Karsten Greve, Hans Mayer, Galerie Tanit, Thomas Schulte und Bernd Klüser - sie alle sind dem Ruf der Messe gefolgt. Und davon hat auch die Messe etwas. Rüdiger Voss (Düsseldorf) und Dorothea van der Koelen (Mainz, Venedig; s. WELT. v. 31. Dezember 2004) sind schon zum vierten Mal auf dieser Messe. Beide wurden mit neuen Standorten bedacht. Darüber ist der eine glücklich (Voss) und berichtet über erfolgreiche Verkäufe schon am ersten Tag. Rüdiger Voss hat sein Programm erweitert. Neben den altbewährten , erfolgreichen Künstlern wie Frank Bauer, Kate Waters, Harding Meyer oder Vittorio Gui, zeigt er Tamara K. E., Maia Navariani und Claudia Rogge, deren außergewöhnliche Fotoarbeit viele Interessierte anzog.
Dorothea van der Koelen ist weniger glücklich, aber man kennt die Galerie und die ausgewählten Kunstwerke von Lore Bert, Fabrizio Plessi, François Morellet, Birgitta Weimer oder Ruri. Die Sammler finden ihren Weg auch in die entlegenste Ecke, zumal Dorothea van der Koelen durch ihre Galerie in Venedig auch in Italien gewissermaßen "zu Hause" ist.
Daß diese Messe auch für Umsätze steht, weiß man auch jetzt wieder, schon am zweiten Tag. So gibt es jenen Sammler der zwei Boetti, einen Tony Cragg und ein Werk von Mario Schifano gekauft hat. Der Mann war um 800 000 Euro ärmer, aber vor allem um einige Kunstwerke reicher. Was sich so märchenhaft anhört, ist in Bologna erst einmal nichts Ungewöhnliches.
Hinzu kommt, daß der italienische Kunstkenner keine Scheu vor Neuem hat und auch nicht mit Komplimenten geizt, wenn es um Lob für gute Kojen und aufregende, weil vielleicht auch neue Kunst, geht. Thaddeus Ropac (Salzburg), auch er ist zum ersten Mal in Bologna dabei, ist ebenfalls von der Atmosphäre der Messe und der Neugier der Menschen angetan. Über Unhöflichkeiten von Karsten Greve wird in Bologna von Seiten der Messeleitung nicht mit vorgehaltener Hand gesprochen: Er bezeichnete schon im Vorfeld die Ausrichter als "Bastardi" weil ihnen ein Fehler bei der Versendung der Papiere unterlief.
Viel wurde im Vorfeld über die nicht unerhebliche Erhöhung der Kojenpeise gesprochen, nicht immer positiv. Doch diese Beschwerden scheinen sich wie eine kleine Magenverstimmung verflüchtigt zu haben.
Die hohen Kosten, so erklärt die Messeleitung , ergaben sich aus der Anmietung neuer Hallen und den damit verbundenen Nebenkosten. Die neue Konzeption muß sich erst noch stabilisieren - noch sind 3000 Quadratmeter unbelegt. Das dürfte schon 2006 nicht mehr der Fall sein. Eines steht jedoch schon fest, so Silvia Evangelisti: Man will versuchen noch internationaler zu werden, also über Europa hinauszugehen. Dabei soll es die Aufgabe der ausländischen Galerien sein, neue Namen nach Italien zu bringen und die Aufgabe der italienischen Galerien wird es sein, ihr italienisches Programm einem internationalen Publikum vorzustellen.
Auch die Förderung der jüngeren Galerien, die sich mit kleinen Kojen zu reduzierten Preisen unterstützt finden, wird erweitert werden. 29 sind es in diesem Jahr, dabei sind allerdings so bekannte Namen wie James Colman aus London , Knoll aus Budapest, aber auch Knaus aus Mannheim oder Thomas Rehbein aus Köln. Ein Einsteigerprogramm präsentieren diese Galerien nun wirklich nicht, denn auch hier gilt: alles hat seinen Preis.
Die Messe in Bologna ist mittlerweile zu einem "must" innerhalb der europäischen Kunstmarktszene geworden. Bologna als Stadt, mit noch recht wenig Tourismus und viel Kultur, lädt zusätzlich ein. Es lohnt sich, und die Messe dauert so lange, daß man hier leicht einen Besuch einplanen kann.
