Projekt Birth Build - Claudia Rogge
Das 'Neue' trifft immer auf bereits 'Definiertes'
Die Video-Szene einer Geburt wird auf Objekte und charakteristische Bauwerke projiziert. Großformatig zeigt sich zunächst der Kopf eines Kindes, welches sich auf der Struktur des Vorhandenen den Weg ins Leben bahnt; - das Ergebnis ist eine visuelle Verschmelzung von Tradition (Architektur) und Entstehung (Geburt). "Neues" trifft auf bereits "Definiertes". Der Bildträger, die Gebäude, haben eine starke eigene Identität. Die unterschiedliche Stofflichkeit der Architektur, z.B. von Kirchen, Bunker, Fabriken ... verändert jeweils das Bildmaterial der Geburt. Ebenso verändern sich die uns bekannten Gebäude und es entsteht eine neue Ästetik in diesem beidseitigen Zuspiel. Dient nun die Geburt auch als Metapher für jede Form von Innovation, ideeller, technischer, wie produktiver Art, dann gilt für grundsätzlich alles Entstehende, dass es sich an den vorhandenen Strukturen reiben muss. Je fremder, je unvertrauter die Kreation im Verhältnis zum Bestehenden ist, um so schwerer hat sie es, gesellschaftliche Akzeptanz zu finden. Das Projekt, eine Geburt im öffentlichen Raum zu zeigen, gehört, den Reaktionen nach ( bisher in u.a. Weimar, Düsseldorf, Hamburg, Dänemark), ebenfalls in den unvertrauten, somit diskutierten Raum. Deutlich wurde, wie tabuisiert das "alltägliche Wunder" ist, während ebenso intime, ehemals auch umstrittene Bereiche, wie Sex und Gewalt längst als Gewohnheit gelten.
In Bezug auf einen gewalttätigen Zwischenfall während eines Projektionsabends in Düsseldorf, äußert sich Bernd Kauffmann, Intendant der Kulturhauptstadt Europas GmbH, während der Eröffnungsrede im August in Weimar, sarkastisch: "Was Wunder auch, daß das Geburtsvideo von Claudia Rogge die Empörung der linksrheinisch Wohlsituierten bewirkte, die vermutlich völlig empörungslos die seit kurzem mögliche Erschaffung eines neuen Menschen, eines Kindes also, via DNA-Klonung mit Sekt und Ballett als grandiosen Fortschritt feiern würden." In diesem Satz manifestiert sich, aus welchen traditionellen Mustern heraus beurteilt wird, während Bereiche, wie z.B. die Gen-Technologie bereits in völlig anderen Sphären denkt. D.h. eine Geburt, die ich heute in ihrer ursprünglichen, eigentlich vertrauten Form, darstelle, sorgt für Reibungsfläche, obwohl bereits morgen eine Geburt ganz anderer Art möglich sein wird.>
Stationen des Projektes:
Oktober 2000 - Schauspielhaus Hannover
Juli 2000 - Z2000, Berlin
Juni 2000 - Skulpturenmeile, Bielefeld
November 1999 - St.Pauli, Hamburg
Oktober 1999 - Statue König Christian IV, Dänemark
Oktober 1999 - Königstheater, Aarhus Dänemark
September 1999 - Alte Villa Haar, Weimar
September 1999 - State Russian Museum, St. Petersburg, Russland
August 1999 - Schlossturm, Düsseldorf
August 1999 - Johanneskirche, Düsseldorf
August 1999 - Uni-Klinik, Düsseldorf
August 1999 - Bunker aus dem zweiten Weltkrieg, Düsseldorf



