Über das Projekt Birth Build von Claudia Rogge

Im Rahmen der interdisziplinären Vorlesungsreihe "Der entgrenzte Raum" an der Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf erfolgte dieser Vortrag von Dr. Georg Schiller


Dr. Georg Schiller

Geburt im öffentlichen Raum: Claudia Rogges Birth-Build


Nach einem Studium der Kommunikations­wissenschaften in Berlin und Essen arbeitet Claudia Rogge seit 1992 als freischaffende Künstlerin. Mo­mentan wohnt und lebt sie in Düsseldorf. Von dort aus plant und entwickelt sie ihre unter­schiedlichen Projekte, Installationen und Performances, mit denen sie zum Teil europaweit auf Reisen geht. Diskutiert bzw. annonciert wurden ihre Aktionen bereits im öffentlichen und privaten Fernsehen sowie in unterschiedlichen Printmedien.[1] Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage nach den Interaktionsverhältnissen von Körper, Raum und sozialer Organisation.

Mit dem Videoprojekt Birth-Build war Claudia Rogge 1999 und 2000 unterwegs. Sie besuchte u.a. Berlin, Weimar, die Reeperbahn in Hamburg, Aarhus in Dänemark und das Russische Staatsmuseum in St. Petersburg. Birth-Build projiziert Bilder einer Geburt auf die Fassaden unterschiedlicher Bauwerke. Großformatig ist zu sehen, wie sich der Kopf eines Kindes den Weg ins Leben bahnt. Die circa 60 Sekunden lange Sequenz präsentiert sich dabei als visuelle Schleife, d.h. der Vorgang wird immer und immer wieder gezeigt, so lange der Projektor läuft. Als Bildträger werden Gebäude benutzt, die eine ausgeprägte eigene Identität besitzen, wie z.B. Kirchen, Kliniken oder Bordelle. Die Projektionsflächen sollen also gerade nicht die Neutralität einer unbeschriebenen Leinwand suggerieren. Birth-Build wurde darüber hinaus zu einer Zeit im öffentlichen Raum zirkuliert, als die Debatte um die Genforschung und das Klonen von Menschen die Schlagzeilen der Tagespresse eroberte.[2]


Sozialer Raum und Architektur

Birth-Build führt also einen biologisch-kulturell organisierten Prozess vor - die Geburt – und positioniert ihn in unterschiedlichen Raumsituationen. Dabei erinnert bereits die historisch gewachsene Identität der einbezogenen Gebäude daran, dass Raum hier nicht als etwas abso­lutes, sondern als etwas dynamisches und relationales begriffen wird. Die soziale Organisa­tion und der architektonisch strukturierte Raum werden aufeinander bezogen und nicht isoliert voneinander betrachtet. Diese Perspektive wird auch in den neueren Forschungsarbeiten zum Verhältnis von Geographie und Geschlecht immer wieder hervorgehoben. In ihrer Veröffent­lichung Space, Place and Gender erklärt beispielsweise Doreen Massey, dass Raum sozial konstruiert und das Soziale wiederum räumlich konstruiert sei. Die Anordnung des Raumes werde somit ein Produkt der Geschichte und also ein Feld politischer Auseinandersetzung.[3] In Gender, Identity and Place führt Linda McDowell weiter aus:


It is socio-spatial practices that define places and these practices result in overlapping and intersecting places with multiple and changing boundaries, constituted and maintained by social relations of power and exclusion. Places are made through power relations which construct the rules which define boundaries. These boundaries are both social and spatial – they define who belongs to a place and who may be excluded, as well as the location or site of the experience.[4]


Die Organisationsstrukturen einer Gesellschaft sind immer zugleich sozial und architekto­nisch-räumlich aufbereitet. Sie bestehen aus multiplen, dynamischen und sich überkreuzenden Grenzverläufen, die u.a. bestimmen, wer aufgenommen und wer ausgeschlossen wird. Dabei ist von zentraler Bedeutung, wie ganz allgemein die Bedeutung des öffentlichen Raums kon­struiert wird – jener Raum also, der zumindest potentiell allen Individuen zugänglich ist. Nancy Duncan skizziert zwei kontradiktorisch entgegengesetzte Entwürfe des öffentlichen Raums. Zum einen kann er sich als Bühne politischer und sozialer Kontroversen anbieten: „the site of oppositional social movements.” Im Idealfall ist er für Duncan ein diskursiver und materieller Raum, in dem Herrschaftsstrukturen des Staates von marginalisierten Gruppen herausgefordert werden können.[5] Zum anderen kann öffentlicher Raum aber auch als kon­trollierte Feier einer Konsumgesellschaft definiert werden, die von ihrer Heterogenität nicht beunruhigt werden soll: „a controlled and orderly retreat where a properly behaved public might experience the spectacle of the city.”[6] Diese zweite Konzeption des Öffentlichen ist insofern problematisch, als sie deutlich antidemokratisch eine Homogenisierung anstrebt, die über hegemoniale Ausschlußmechanismen funktioniert. Denn die Verbannung von „Ruhe­störern“ ins Private, so Duncan, schwächt die Möglichkeiten marginalisierter Gruppen, ihre Ansprüche effektvoll zu inszenieren und sich weiter zu vernetzen.[7] Ähnlich problematisch bewertet Duncan natürlich auch die vergleichbare Strategie der Privatisierung von Räumen, die zuvor der Öffentlichkeit zugänglich waren:


This privatization of ostensibly public places has very uneven consequences for the population as a whole because groups with greater resources can more easily privatize spaces. (...) Furthermore by privatizing (depoliticizing) these spaces, the owners and users of such spaces more easily free them­selves from various types of public surveillance, regulation and public con­testation.[8]


Ist ein öffentlicher Ort erst einmal privatisiert, so sind auch bestimmte Regeln demokratischer Fürsorge außer Kraft gesetzt - und es können diejenigen Personen oder Handlungsweisen aus­geschlossen werden, die nach der Meinung der neuen Besitzer nicht ins Bild passen. Es ist also offensichtlich, dass die Grenzziehung zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen ein hochpolitischer Akt ist.

Insofern präsentiert sich Birth-Build als politisch-nomadischer Ruhestörer par excel­lence, da das Projekt von Claudia Rogge „auf die Straße geht“, um durch Grenzüberschrei­tungen bisherige Kartographierungen (des Öffentlichen und Privaten) durcheinanderzuwir­beln und die Erfahrungshorizonte des Publikums herauszufordern. Birth-Build benutzt den öffentlichen Raum also in Anlehnung an Duncans ersten Entwurf als dynamisch-soziales Gefüge, in dem sich vor allem auch alternative Ansichten zeigen dürfen. So verläßt mit Birth-Build die Repräsentation eines Geburtsvorgangs den privaten Bereich und thematisiert damit das dynamische Dreieck aus Geographie, sozialer Organisation und Konstruktion von Weib­lichkeit. Wenn das Video beispielsweise auf St. Paulis Bordellmeile die Fassade eines Gebäu­des überschreibt, dann wird im doppelten Sinne eine Grenze überschritten. Zum einen wird eine Dimension von Weiblichkeit eingeblendet, die gerade im „Freudenhaus“ dem Freier nicht in den Blick kommen soll. Die (Verhütung der) Geburt eines Menschen als Folge des Beischlafs gehört zum Aufgabenbereich der Hure und braucht den Kunden nicht zu beun­ruhigen. Wie Prostituierte dabei ihre eigene Leiblichkeit und diese strikt dualistische Organi­sation ihres Alltags empfinden, ist eine Frage, die von Birth-Build aufgeworfen wird. Zum anderen überschreitet Birth-Build die Grenzen dessen, was in Deutschland ganz unverhohlen „Sperrbezirk“ genannt wird. Durch diese Form halbdurchlässiger Absperrung entsteht das, was Michel Foucault eine „Heterotopie“ nennt: Eine Gegenwelt, deren Inszenierung eine kompensierende Funktion im Verhältnis zum restlichen Raum einnimmt, der sie umschließt. Heterotopien ermöglichen der Umwelt, eine Projektionsfläche für das tabuisierte Andere zu finden. Nach Foucault sind Heterotopien im allgemeinen halb durchlässig, nicht vollkommen frei zugänglich – bestimmte Rituale müssen eingehalten oder bestimmte Zertifikate vorge­wiesen werden, um Zugang zu bekommen.[9] M.a.W., der Freier darf hinein in den „Sperr­bezirk“, die Hure darf in ihrer Funktion als Hure nicht hinaus. Ihr wird ein bestimmter Raum zugewiesen, in dem sie überwacht wird und ihre Arbeit ausführen muß in Isolation von ande­ren Bereichen der Lebenswelt.[10] In diesen „Zwischenraum“ des Halbprivaten und Halb­öffentlichen setzt Birth-Build ins Bild, was scheinbar nicht ins Bild paßt. Birth-Build wirbt damit für die Akzeptanz des Ausgegrenzten und will Übergänglichkeiten sichtbar machen. Dieses Ausgegrenzte ist eben nicht nur die Hure als individuelle Person, sondern auch ein ganzes Kontinuum biologisch-kultureller Organisationen und Prozesse, die in der Konstruk­tion der Heterotopie „Bordell“ ausgeblendet werden.

Birth-Build geht also davon aus, dass derlei Tabuisierungen nicht Folge eines „natür­lichen“ Empfindens sind, sondern durch permanente Wiederholungen im alltäglichen Verhal­ten eingeschliffen werden und sich im Lauf der Zeit zu traditionellen Mustern verfestigen.[11] Insofern schließt sich Birth-Build dem Konzept der amerikanischen Autorin Judith Butler an, für die Verhaltensmuster eine Autorität lediglich durch eben diese permanente Wiederholung selbst beziehen und durch nichts sonst. Der Raum, den ein Geschlecht oder die Repräsentantin einer bestimmten Gruppe für sich reklamieren oder eben nicht reklamieren darf, legitimiert sich somit allein durch „eine unentwegte Wiederholung vorherrschender Normen“. Eine performative Bestätigung oder aber Überschreitung bestehender Organisationsformen ist für Butler also nicht ausagiert in einem Vakuum, sondern immer gebunden an historisch vorgängige (Raum-)Dynamiken.[12]


Transgression

Erst in der subversiven Überschreibung bzw. Überschreitung gelingt es, den normativen Charakter der vorgängigen Geographie vor Augen zu führen und so zu entlarven.[13] Indem eine Alternative angeboten wird, offenbart sich nicht nur das alternative Angebot als Kon­struktion, sondern demonstriert zugleich den immer nur vorläufigen Entwurfscharakter der bisherigen Organisationsform. Es entsteht ein Oszillieren zwischen Verhaltensmöglichkeiten. Judith Butler schreibt: „Die Performativität beschreibt diese Beziehung des Verwickeltseins in das, dem man sich widersetzt, dieses Wenden der Macht gegen sich selbst, um alternative Modalitäten der Macht zu erzeugen...“[14] In diesem Sinne projiziert Claudia Rogge Birth-Build ganz bewußt auf Fassaden von Gebäuden, die eine klar erkennbare historisch gewachsene Funktion in der Organisation des Sozialen einnehmen. Sie blendet ein, was ausgeblendet wird (die Geburt des Neuen), läßt aber die Struktur, die von Birth-Build überblendet wird, immer noch durchschimmern. Das Bisherige soll und kann nicht vollkommen geleugnet werden.

Hier wiederum ergibt sich eine Verbindung - eine Brücke - zu Michel de Certeaus Werk Die Kunst des Handelns. Für De Certeau besteht das unauflösliche Paradox der Grenz­ziehung in ihrer Rolle als Differenz und Berührungspunkt zugleich. Die Grenze ist für De Certeau unweigerlich kommunikativ, denn sie spricht aus bzw. definiert, was jenseits von ihr liegt, was von der anderen „Seite“ kommt. Als „Zwischenraum“, der ein „Durchblicken“ auf jenseitiges gewährt, besteht Grenze für De Certeau aus Akten der Begegnung.[15] Die Möglich­keit, es anders zu machen, wird also in der Abgrenzung immer schon mitbedacht. Dieses Mit­bedachte wird im Akt der Überschreitung der Grenze angesprochen und veranschaulicht. Grenzüberschreitung macht somit die zuvor lediglich implizite „Interaktion von Handlungs­programmen“[16] explizit. Auch in dieser Hinsicht sind die Lichtprojektionen von Claudia Rogge dialogisch vermittelnd angelegt. Indem nämlich das Licht als Mittel der Überschrei­tung gewählt wird, überschreibt Birth-Build eine fremde Oberfläche, ohne sie jedoch in ihrer Materialität zu verletzen.

Aber nicht nur im Akt vermittelnder Überschreibung des öffentlichen Raums ver­deutlicht Claudia Rogge die Ambivalenz der Grenze. Auch das Thema der von ihr in Szene gesetzten Bildfolge weist in die gleiche Richtung. Denn der Geburtsvorgang und eben auch die Anerkennung der eigenen Geburt als körperlicher Prozess stellt das Individuum in eine historische Abfolge und betont die unhintergehbare Abhängigkeit des einzelnen von den anderen als von ihnen hervorgebrachtes Wesen. Der Geburtsvorgang widerspricht par excel­lence mystifizierenden Allmachtsphantasien der Selbsthervorbringung. Geburt ist immer Abgrenzung und Brücke zugleich. In Gender, Identity & Place schreibt Linda McDowell:


And it is pregnancy, of course, that radically alters the notion of an individual as a bounded body, separated by space from another. ‘Pregnancy ... renders fluid the boundary between what is within, myself, and what is outside, separate. I experience my insides as the space of another, yet my own body’; - giving birth is perhaps ‘the most extreme suspension of the bodily distinction between inner and outer.[17]


Der Geburtsvorgang vergegenwärtigt die Übergänglichkeit von Innen und Außen, von Eige­nem und Fremdem, von Selbst und Anderem. Schwangerschaft als Vorbereitung der Geburt ermöglicht dem leiblichen Selbst, sich intensiv als Ineinander von Subjekt und Objekt zu erleben: Ich bin fühlbar Ich und Nicht-Ich zugleich. So erinnert Geburt daran, dass jede Form von Autonomie immer nur relativ ist.[18] Insofern feiert Birth-Build auf mehreren Ebenen den Prozeß der Grenzziehung als Akt der Begegnung.

Zugleich entläßt Birth-Build den Geburtsvorgang aus Bereichen des Verdeckten und (Halb-)Privaten in eine Öffentlichkeit, die auf diese Grenzüberschreitung zum Teil empört reagiert hat. Neben vielen positiven Stimmen und Anregungen wurde u.a. leider auch ver­sucht, die Projektion gewaltsam zu beenden. Die Heftigkeit der Gefühlsausbrüche ist für Claudia Rogge – selbst Mutter zweier Kinder - nicht nachvollziehbar:


Heftige Diskussionen, verbale bis körperliche Attacken belegen, wie stark tabuisiert das „alltägliche Wunder“ ist. So wurde mir u.a. vorgeworfen, dass ich den „letzten Rest an Intimssphäre“ verraten hätte. Es wurde unter den anwesenden Betrachtern, paradoxer Weise auch in den Medien, die Frage erörtert, ob „man das so einfach machen kann“. Wobei doch gerade die Me­dien uns gelehrt haben, wie man Grenzen aufweichen kann.[19]


Der Geburtsvorgang ereignet sich zwar jeden Tag tausendfach, soll aber offensichtlich im öffentlichen Raum visuell nicht verhandelt werden und unsichtbar bleiben. Die Überfor­derung von Teilen des Publikums läßt sich mit Hilfe von Erving Goffman leicht als Zeichen extremer Verlegenheit interpretieren, die sich als Folge eines Zusammenbruchs alltäglich gewordener Grenzverläufe einstellt: „Oft entstehen wichtige alltägliche Verlegenheits­situationen dann, wenn das [eigene] dargestellte Selbst in irgendeiner Weise mit einem anderen Selbst kon­frontiert wird, das zwar in einem anderen Kontext durchaus gültig ist, hier jedoch mit dem ersteren nicht harmonisch verbunden werden kann.“[20] Die in Verlegenheit gebrachte Person erlebt ein „Rollendilemma“[21], da sie die von Birth-Build provozierte Verschränkung von öffentlichem und privatem Raum nicht teilen kann und stattdessen weiterhin auf einer dicho­tomen Trennung besteht. Goffman erklärt weiter:


Hinter einem Identitätskonflikt liegt ein weit fundamentalerer Konflikt, nämlich einer des Organisationsprinzips. Denn im Falle vieler Vorhaben be­steht das Selbst nur aus der Anwendung legitimer Organisationsprinzipien auf das eigene Selbst. Man baut seine Identität aus Ansprüchen auf, die, werden sie abgelehnt, einem das Recht geben, sich ehrlich beleidigt zu fühlen.[22]


Offensichtlich wurde Birth-Build also von einem Teil des Publikums als illegitimes Angebot eines veränderten Organisationsprinzips erfahren. Das Gefühl der Beleidigung ging dabei so weit, dass sich einzelne berechtigt fühlten, dem Projekt die Anerkennung seiner Position ab­zusprechen und die Begegnung zu destabilisieren.[23] Hier wurde Birth-Build nicht als Ver­handlungsangebot wahrgenommen, sondern als Angriff auf die eigene (soziale) Kompetenz und das damit verbundene segregative Konzept von Geburt. Bereits die bloß visuelle Reprä­sentation genügte, um bei einzelnen die Haltung einer „zero tolerance“ zu provozieren. Diese extreme Haltung der Ablehnung und Angst wehrt sich gegen ein unterminierendes Potential von Birth-Build, welches das Projekt auch tatsächlich für sich in Anspruch nehmen kann.


Visuelle Metapher und Taktik

Als visuelle Repräsentation des Geburtsvorgangs weist Birth-Build in verschiedener Hinsicht über sich hinaus. Es ist zum einen eine Metapher, die in unterschiedlicher Weise interpretiert werden kann, zum andern als solche Metapher aber auch zugleich ein kalkuliert gesetzter Impuls in einer Vielzahl von sich überkreuzenden Diskursen. Als solch ein Impuls projiziert Birth-Build die Aufforderung, bisherige soziale Dynamiken und Räume neu zu kartographie­ren. Dieser Appell, der von Birth-Build ausgeht, ist in der Tat ein Machtfaktor, wenn man „Macht“ mit Foucault als dezentrales Beziehungsgeflecht versteht, das „sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht.“[24] Das Projekt Birth-Build kann als lose Folge punktueller Impulse bezeichnet werden, die sich an vielfältige historisch gewachsene und lokale Kraftverhältnisse anschließen, um sich mit diesen oder gegen diese in unvorhersehbaren Konvergenzen oder Konfrontationen zu verzweigen.

Die Vorgehensweise von Claudia Rogge kann daher auch als „Taktik“ im Sinne von De Certeau verstanden werden. De Certeau versteht „Taktik“ und „Strategie“ als antagonisti­sche Optionen des Handelns. Dabei bezeichnet „Strategie“ das „Kräfteverhältnis“ eines Agens (i.e. ein Subjekt oder eine Institution), das initiativ wird von einem „Ort“ aus, „der als etwas Eigenes umschrieben werden kann und der somit als Basis für die Organisierung zu einer bestimmten Außenwelt (Konkurrenten, Gegner, Klientel, Forschungsziel oder –Gegenstand) dienen kann.“[25] Insofern bezeichnet De Certeau „Strategie“ als einen „Sieg des Ortes über die Zeit“[26], da „Strategie“ an einer Gliederung des Raumes interessiert ist, der ihr erlaubt, den „eigenen Bereich“ vom „Umfeld“ nachhaltig und sichtbar abzugrenzen.[27] „Taktik“ dagegen sieht er als


ein Kalkül, das nicht mit etwas Eigenem rechnen kann und somit auch nicht mit einer Grenze, die das Andere als eine sichtbare Totalität abtrennt. Die Taktik hat nur den Ort des Anderen. Sie dringt teilweise in ihn ein, ohne ihn vollständig erfassen zu können und ohne ihn auf Distanz halten zu können. (...) Sie muß andauernd mit den Ereignissen spielen, um „günstige Gelegen­heiten“ daraus zu machen.[28]


Die „Taktik“ bewegt sich in einem Raum, der nicht von ihr kontrolliert wird, und muß daher „auf fremden Terrain“ nach „Lücken“ suchen, „für Überraschungen sorgen“ und „wildern“.[29] „Taktik“ ist also angewiesen auf den richtigen Moment und kann sich immer nur für einen be­grenzten Zeitraum in einer ihr fremde Szenerie positionieren, auf die sie keinen Anspruch erhebt. Die Kreativität der Taktik besteht also vor allem auch darin, „auf der Lauer zu lie­gen“[30], um sich mit einer Organisationsform auseinanderzusetzen, die gerade nicht der eige­nen Rationalität entspringt. Insofern ist die Mobilität von Birth-Build keine zufällige Qualität des Projekts. Sie entspringt ganz im Gegenteil einer Versuchsanordnung, der es gerade darauf ankommt, Körperbilder zum „richtigen“ Zeitpunkt in ein historisch abgestecktes Terrain zu projizieren. Birth-Build soll gerade möglichst beweglich sein, um sein Publikum effektvoll zu überraschen und zu irritieren. Diese kreative Irritation ist besonders dann gegeben, wenn Birth-Build „ohne Ansage“ in der alltäglichen Lebenswelt auftaucht und auf diese Weise un­vorbereitete Dialoge in Gang setzt. Ebenso wichtig ist, dass Birth-Build auch schnell wieder „weiterziehen“ kann, wenn seine Überschreibungen von lokalen Institutionen als „illegal“ wahrgenommen werden.[31]

Birth-Build ist also nicht einem in sich kreisenden „L’art pour l’art“-Konzept ver­schrieben, sondern muß als taktisch eingesetztes Repräsentationsangebot verstanden werden, das Handlungsstrukturen und Alltagsrituale zugleich suggeriert und in Frage stellt. M.a.W., Birth-Build ist als visuelle Repräsentation eines biologisch-kulturellen Prozesses zugleich Kommentar sozialer Handlungsgerüste, die wiederum den Raum des abgebildeten Prozesses strukturieren.


Die Entstehung des Neuen

Mark Wigley erinnert allgemein an das Wechselverhältnis von Repräsentation, Raum und Sexualität: „Place is not simply a mechanism for controlling sexuality. Rather, it is the control of sexuality by systems of representation that produces place.“[32] Dabei kommt es natürlich entscheidend darauf an, wie man eine gegebene Repräsentation denn nun konkret deutet – in unserem Fall also die Darstellung des Geburtsvorgangs in einer Videoschleife. An dieser Stelle sollen daher abschließend zumindest zwei mögliche Interpretationen skizziert werden.

Zum einen kann man die von Birth-Build angebotene Darstellung symbolisch „über­höhen“ und von der konkret sichtbaren Materialität abtrennen. In dieser Lesart repräsentiert der Geburtsvorgang ganz allgemein den kontinuierlichen Prozess der Entstehung des Neuen, m.a.W., die beständige Erneuerung des alt gewordenen. Das Neue wird dokumentiert in seiner Verwiesenheit auf das ihm Vorhergehende, dessen es immer bedarf, um überhaupt als Neues identifiziert werden zu können. Erst in der Differenzierung bzw. Abgrenzung vom Körper des Alten kann sich das Neue definieren. Das Neue braucht also das Alte als veränderbares „Ma­terial“. Birth-Build spielt an auf dieses antagonistische und dynamisch-übergängliche Verhält­nis, das jedem Ausdruckswillen als Wechselspiel von Uniformität und Expressivität inne­wohnt. In diesem Sinne versteht Birth-Build Kreativität als ewigen Prozess des Hervor­bringens von Neuem aus einem Körper konventioneller Repräsentationen, die ehemals selbst neu im Lauf der Zeit durch ihre ständige Wiederholung an Ausdruckskraft verloren haben. Maurice Merleau-Ponty erläutert die Genese des innovativen Ausdrucks:


Sich auszudrücken, das ist also ein paradoxes Unterfangen, da es einerseits einen Hintergrund verwandter, schon festliegender und unbestrittener Aus­drücke voraussetzt und da sich andererseits die jeweils gebrauchte Figur von diesem Grund abhebt und so neuartig bleibt, daß sie die Aufmerksamkeit weckt. Es ist dies ein Vorgang, der zu seiner eigenen Zerstörung hintendiert, da er sich selbst aufhebt in dem Maße, wie er sich bewährt, und sich rück­gängig macht, wenn er sich nicht bewährt. [33]


Die Geburt des Neuen erscheint als unendlicher Prozess, als ständig sich wiederholende Vi­deoschleife, da ein geglückter kreativer Wurf sich selbst seiner eigenen innovativen Kraft ge­rade in dem Maße beraubt, als er auf Dauer erfolgreich ist. Birth-Build weist darauf hin, dass das Neue ständig neu geboren werden muß und dass es also das ewige Kunstwerk nicht gibt.


Geburt und Technik

Andererseits figuriert Birth-Build aber auch als Metapher für die Erfahrung von Geburt zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die ständige Wiederholung desselben Vorgangs im Abstand von ca. 60 Sekunden kann gelesen werden als Anspielung auf die zunehmende Vereinheitlichung und Bürokratisierung dieses Vorgangs, der seine ehedem rituelle Bedeutung verloren bzw. stark verändert hat. So spricht Barbara Duden sogar vom „Untergang der Geburt im späten 20. Jahrhundert“ und weigert sich, der „an einem Wochentag zwischen 9 und 17 Uhr durch einen Abbruch der Schwangerschaft“ erzeugten „extrauterinen Existenz“ noch eine „Geburt“ zu bescheinigen.[34] Sowohl Birth-Build als auch Barbara Duden werfen die Frage auf,


ob und wie mit der gründlichen Medikalisierung, Hospitalisierung und Technisierung der Geburt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das, was Geburt war, beseitigt wurde, und zwar so gründlich, daß das historische Wesen der „Geburt“ aus der kollektiven Erinnerung verschwunden ist.[35]


Die Geburt als „sinn-schaffendes Geschehen, in dem aus der rituellen Intimität von zwei Frauen ein drittes, ein neues Wesen“ hervorgeht,[36] wurde für Duden abgelöst von einem „Proto-Ritual“, in dem es um ein „schon vorgeburtlich entstandenes Verwaltungsobjekt“ geht – den „sogenannten“ Fötus.[37] Seit dem Zweiten Weltkrieg werde die Geburt „unter dem Vor­wand rationaler Verbesserung dem radikalen Monopol der Medizin unterstellt“ und parallel dazu nicht mehr als Neubeginn, sondern als Endpunkt einer „Risiko-Kalkulation“ wahrge­nommen.[38] Barbara Katz-Rothman ergänzt diese Perspektive und bezeichnet „pränatales Screening und die Tests in der Erwartung selektiver Schwangerschaftsabbrüche“ als „eine Form der Qualitätskontrolle, die die Produktion von Kindern vermeidet, von denen wir be­haupten, dass wir uns ihr Aufwachsen nicht mehr leisten können.“[39] Emily Martin schließlich macht bereits 1987 darauf aufmerksam, inwieweit die immer massivere Intervention der Kli­nik das Selbstbild der werdenden Mütter verändert und dazu tendiert, jede Form individueller Abweichung während des Geburtsvorgangs zu diskreditieren als „Störung“ eines zeitlich streng festgelegten Ablaufplans.[40] Martin diagnostiziert eine veränderte Rollenverteilung, die den Arzt als Beschützer des Kindes vor den potentiellen Fehlfunktionen des Mutterleibes konstruiere.[41] Diese Haltung verschärfe sich in dem Selbstverständnis neuester Reproduk­tionstechnologien, die darauf abzielten, die Mutter so weit als möglich aus dem Geburtsvor­gang zu eliminieren. Martin vergleicht diesen Schritt mit dem Aussperren von Arbeiterinnen aus Fabriken.[42]

Natürlich kritisiert Birth-Build nicht dermaßen detailliert Funktion und Gestaltung des Geburtsprozesses im 21. Jahrhundert. Das kann und soll das Projekt nicht leisten. Was Birth-Build aber anbietet, ist ein Verhandeln über soziale, geographische und mentale Grenzver­läufe, die den Assoziationspunkt „Geburt“ eingekreist, formiert und verfestigt haben.


Literaturverzeichnis

- Ein kompletter Pressespiegel zu den Arbeiten und Aktionen von Claudia Rogge findet sich auf ihrer Internet-Homepage unter  http://www.claudia-rogge.de/frames_pressespiegel.htm.

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- „Bürgerliche Huren“, Der Spiegel vom 27.08.01 (Nr.35): 84 - 90.

- Butler, Judith, Körper von Gewicht: Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1997.

- De Certeau, Michel, Die Kunst des Handelns. Berlin: Merve, 1988.

- Duden, Barbara, „Die Ungeborenen: Vom Untergang der Geburt im späten 20. Jahrhundert“, Jürgen Schlumbohm et al. (Hrsg.), Rituale der Geburt. München: Beck, 1998.

- Duncan, Nancy (Hrsg.), Bodyspace: Destabilizing Geographies of Gender and Sexuality. New York: Routledge, 1996.

- Foucault, Michel, „Of Other Spaces“, diacritics 16.1 (1986): 22-27.

- Foucault, Michel, Der Wille zum Wissen: Sexualität und Wahrheit. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1983.

- Goffman, Erving, Interaktionsrituale. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996; 1967.

- Katz-Rothman, Barbara, „Auf Bestellung: Eine Kritik des Versprechens von Planbarkeit und Kontrolle in der Repro-Genetik“, Barbara Duden, Dorothee Noeres (Hrsg.), Auf den Spuren des Körpers in einer technogenen Welt. Opladen: Leske + Budrich, 2002.

- Keller, Evelyn Fox, Liebe, Macht und Erkenntnis. Frankfurt am Main: Fischer, 1998.

- Martin, Emily, The Woman in the Body: A Cultural Analysis of Reproduction, 3rd Edition. Boston: Beacon Press, 2001.

- Massey, Doreen, Space, Place and Gender. Cambridge, UK: Polity Press, 1994.

- McDowell, Linda, Gender, Identity and Place: Understanding Feminist Geographies. Cambridge, UK: Polity Press, 1999.

- Merleau-Ponty, Maurice, Die Prosa der Welt. München: Fink, 1984; 1969.

- Wigley, Mark, „Untitled: The Housing of Gender,“ Beatriz Colomina (Hrsg.), Sexuality & Space. Princeton, New Jersey: Princeton Architectural Press, 1992.


[1] Fernsehberichterstattungen wurden ausgestrahlt am 11.11.1999 von RTL (zur Aktion Birth-Build), am 18.02.2000 von RTL (zur Aktion Restposten), am 07.03.2002 vom WDR (zur Aktion mob), am 02.04.2002 in der ARD (zu mob) und am 11.04.2002 in 3sat (zu mob). In den Printmedien wurden die Arbeiten von Claudia Rogge aus den unterschiedlichsten Perspektiven thematisiert. So fragt die Hamburger Morgenpost vom 09. April 2002 im Zusammenhang mit Rogges Arbeit mob, inwieweit sich der Einzelne in der Masse verliere. Das Kunst­magazin Art (Nr.6, Juni 2002) erkundigt sich nach Zusammenhängen zwischen Masse und Bewegung. NRZ Düsseldorf (20.04.01) wiederum titelte in ihrer Kulturseite „Wie eklig darf Kunst sein?“  
Ein kompletter Pressespiegel zu Rogge findet sich auf ihrer Homepage unter der Internet-Adresse http://www.claudia-rogge.de/frames_pressespiegel.htm.

[2] So vermischt der Titel Birth-Build denn auch das deutsche Wort „Bild“ mit dem englischen Begriff „to build“ – „bauen“ bzw. „konstruieren“. Es wird signalisiert, dass es dem Projekt um die historisch-kulturelle Konstruktion des Geburtsvorgangs geht.

[3] Cf. Doreen Massey, Space, Place and Gender (Cambridge, UK: Polity Press, 1994) 254.  Massey erläutert: „...society is necessarily constructed spatially, and that fact – the spatial organization of society – makes a difference to how it works. But if spatial organization makes a difference to how society works and how it changes, then, far from being the realm of stasis, space and the spatial are also implicated ... in the production of history – and thus, potentially, in politics.”

[4] Linda McDowell, Gender, Identity and Place: Understanding Feminist Geographies (Cambridge, UK: Polity Press, 1999) 4.

[5] Cf. Nancy Duncan, „Renegotiating Gender and Sexuality in Public and Private Spaces,“ Nancy Duncan (Hrsg.), Bodyspace: Destabilizing Geographies of Gender and Sexuality (New York: Routledge, 1996) 130.

[6] Duncan, 130. Hier übernimmt Duncan ein Zitat von Don Mitchell aus seinem Essay „The End of Public Space? People’s Park: Definitions of the Public and Democracy,“ Annals of the Association of American Geographers 85, 1 (1995): 115.

[7] Cf. Duncan, 128.

[8] Duncan, 129.

[9] Cf. Michel Foucault, „Of Other Spaces“, diacritics 16.1 (1986) 24-27.

[10] In einem Artikel des Wochenmagazins Der Spiegel über die „Rotlicht-Lobbyistin“ Stephanie Klee, die für die Rechte der Prostituierten kämpft, wird wiederholt darauf hingewiesen, wie die traditionelle Organisation des Milieus die Arbeit von Klee behindert. Dabei ist besonders die Angst vor dem öffentlichen Raum jenseits des „Sperrbezirks“ ein Nachteil im Werben um mehr gesellschaftliche Anerkennung und juristische Gleichstellung: „Immer wieder der Aufruf zum Engagement; und immer wieder die Erkenntnis, dass Huren sich ducken, ihr Gesicht verstecken, ihren Namen verschweigen, wegen der Nachbarn, Geschwister, wegen der Eltern. Dass sie ihr Geschäft lieber heimlich und schwarz betreiben und darum viel leichter das Opfer von Zuhälter-Gangs werden.“ Cf. Der Spiegel vom 27.08.01 (Nr.35), 84 - 90.

[11] Diese Verhaltensmuster werden dabei von der überlieferten Organisation bzw. Architektur des Raumes unterstützt.

[12] Cf. Judith Butler, Körper von Gewicht: Die diskursiven Grenzen des Geschlechts (Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1997) 154.

[13] Auch Nancy Duncan hebt diesen erkenntniserweiternden Aspekt der Mißachtung von Grenzen hervor, wenn sie in Anlehnung an Tim Cresswell formuliert, „it is difficult to get people to recognize normative geographies until these are transgressed.“ Cf. Bodyspace, 139.

[14] Butler, Körper von Gewicht, 331.

[15] Cf. Michel de Certeau, Die Kunst des Handelns (Berlin: Merve Verlag, 1988), 233, 234.

[16] Cf. De Certeau, 232, 233.

[17] Linda McDowell, Gender, Identity and Place, 58. McDowell zitiert hier zum Teil auch I. M. Young, Throwing like a Girl and Other Essays in Feminist Philosophy and Social Theory (Bloomington: Indiana UP, 1990) 163.

[18] Evelyn Fox Keller macht darauf aufmerksam, dass „Autonomie“ in einer patriarchalen Lesart auch als „radi­kale Unabhängigkeit von anderen“ mit einem „Begriff von Männlichkeit“ zusammentreffen kann, der „alle Spu­ren des Weiblichen ablehnt“. Diese Interpretation von Autonomie ziele auf einen Machtbegriff, „der als Herr­schaft definiert“ sei. Autonomie stelle sich zwar auch hier positiv als „Erfahrung von Kompetenz“ und mithin als „tiefliegende Quelle der Lust“ dar, jedoch gehe solch eine einseitige Interpretation darüber hinweg, dass „auch die aus der Kompetenz bezogenen Befriedigungen ... nicht eine rein individuelle Angelegenheit“ sind. Keller schreibt weiter: „Die emotionale Befriedigung, die jemandes Fähigkeit zum effektiven Handeln erzeugt, ist im Grunde gespeist von jemandes Beziehung zu jenen anderen, an die er affektiv gebunden ist- und sei es (oder vielleicht gerade darum) in der Ablehnung. (...) Eine zu strikt verstandene Autonomie schließt die kreative Ambiguität völlig aus, ohne die weder Liebe noch Spiel, noch bestimmte Arten von Erkenntnis Bestand haben können.“  Cf. Evelyn Fox Keller, Liebe, Macht und Erkenntnis (Frankfurt am Main: Fischer, 1998) 111, 112.

[19] Claudia Rogge in ihrer Präsentation von Birth-Build an der Heinrich - Heine Universität am 13. Juni 2002.

[20] Erving Goffman, Interaktionsrituale (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996; 1967) 118.

[21] Cf. Goffman, 119.

[22] Goffman, 122.

[23] Cf. Goffman, 17.

[24] Für Foucault kommt Macht „von unten, d. h. sie beruht nicht auf der allgemeinen Matrix einer globalen Zwei­teilung, die Beherrscher und Beherrschte einander entgegensetzt“. Die Kraftverhältnisse differenzieren sich viel­mehr aus in einem unendlichen Netz aus „Neuverteilungen, Angleichungen, Homogenisierungen, Serialisierun­gen und Konvergenzen“. Daher bezeichnet Foucault Machtbeziehungen auch als „gleichzeitig intentional und nicht-subjektiv“. Cf. Michel Foucault, Der Wille zum Wissen: Sexualität und Wahrheit 1 (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1983) 115, 116.

[25] Cf. De Certeau, Kunst des Handelns, 23.

[26] De Certeau, 23.

[27] Cf. De Certeau, 87, 88.

[28] De Certeau, 23.

[29] Cf. De Certeau, 89.

[30] Cf. De Certeau, 91.

[31] Des öfteren sollten Claudia Rogges Aktionen bereits gesetzlich unterbunden werden. Folgerichtig hat sie daher im Anschluß an Birth-Build darüber nachgedacht, wie sie ihre Beweglichkeit weiter steigern kann. Das Ergebnis war der mobile Ausstellungsraum mob – ein Projekt, das 2001 entwickelt und von der Kurt Eisner Kulturstiftung ausgezeichnet wurde. Bei mob handelt es sich um einen 7,5 Tonnen schweren LKW, der mit einer gläsernen Ladefläche ausgestattet wurde und so seine Exponate nur noch vorführen, aber nicht mehr auf- und abbauen brauchte. Über drei Monate lang pendelte mob zwischen europäischen Großstädten hin und her (u.a. Amsterdam, Paris, Basel, Berlin). Auf ihrer Homepage „claudia-rogge.de“ schreibt die Künstlerin selbst, dass diese Idee geboren wurde, um sich „regionaler Beamtenwillkür“ zu entziehen.

[32] Mark Wigley, „Untitled: The Housing of Gender,“ Beatriz Colomina (Hrsg.), Sexuality & Space (Princeton, New Jersey: Princeton Architectural Press, 1992) 350.

[33] Maurice Merleau-Ponty, Die Prosa der Welt (München: Fink, 1984; 1969) 57.

[34] Cf. Barbara Duden, „Die Ungeborenen: Vom Untergang der Geburt im späten 20. Jahrhundert“, Jürgen Schlumbohm et al. (Hrsg.), Rituale der Geburt: Eine Kulturgeschichte (München: Beck, 1998) 150.

[35] Duden, 149.

[36] Cf. Duden, 157.

[37] Cf. Duden, 154,155.

[38] Cf. Duden, 153.

[39] Barbara Katz-Rothman, „Auf Bestellung: Eine Kritik des Versprechens von Planbarkeit und Kontrolle in der Repro-Genetik“, Barbara Duden, Dorothee Noeres (Hrsg.), Auf den Spuren des Körpers in einer technogenen Welt (Opladen: Leske + Budrich, 2002) 401.

[40] Cf. Emily Martin, The Woman in the Body: A Cultural Analysis of Reproduction, 3rd Edition (Boston: Beacon Press, 2001) 58, 59.

[41] Cf. Martin, 64.

[42] Cf. Martin, 144 – 148.