Ein 'Ich' hinter dem 'Ich' hinter dem 'Ich'
Die ständig höhere Geschwindigkeit mit der wir uns und das, was uns umgibt bewegen/bewegt, verändert die Art des Sehens. Wahrnehmung und Bewertung, im Sinne von anerzogenen oder antrainierten Meinungen, beziehen sich oft auf wenige kurze Augenblicke. Resultat ist eine Art Fremd- b.z.w. Selbsttäuschung: Wie werde ich/die Dinge wahr-genommen? Wie nehme ich die anderen oder die Dinge wahr? Wieviel Raum haben sie /ich/die Dinge, wahr-genommen zu werden? Herausgerissene Fragmente reichen für das wonnige Gefühl der Objektivität. - Wobei besonders die flüchtigen Betrachtungen maximal eine Länge x Breite - Erkenntnis ( Oberfläche) ermöglichen. Die Tiefe des Objektes, seine Mehrdimensionaliät bleibt unerkannt.
Thema der Performance von Claudia Rogge, dargestellt in einer Art Triptychon. Die Mitte des Triptychons bildet ein Spiegelschaukasten, in dem sich C.Rogge nackt auf einem Schemel ständig drehend, mal dem Zuschauer und drei verschieden gestalteten Spiegelseiten zuwendet. Sie selbst wird in unterschiedlicher Weise reflektiert. Neben dieser Live-Performance zeigt die Künstlerin rechts zwei Videofilme mit unterschiedlichen Lebensentwürfen. In kurzen Schnitten zeigt der rechte Film jeweils Situationen, die gesellschaftlich vertraut und toleriert sind, während die (synchron dazu geschnitten) adäquaten Situationen des linken Films Einstellungen zeigen, die durch unsere Interpretation neben dem vermeintlich “Normalen³ liegen. (Bildbeispiel: Eine belanglose U-Bahnfahrt gegenüber einer Fahrt nackt in der Staßenbahn).
Die drei Elemente: Drehungen + 2 Videofilme lösen beim Betrachter eine Wahrnehmungsüberforderung aus, er kann unmöglich alles gleich intensiv beobachten. Der Betrachter ist somit genötigt eine Entscheidung bezüglich seines Fixpunktes zu treffen. Eine Entscheidung, die er im alltäglichen Sehen zwar ständig praktiziert, jedoch kaum realisiert. Wir können unzählige Bilder linear aufnehmen, parallel nicht. - Je höher das Maß der Dinge, die wir aufnehmen müssen, um so mehr flimmert an uns unbeachtet vorbei. Was bleibt sind viele diffuse Eindrücke und eine wenige, die wir heraus filtern aus der Masse und genauer anschauen.



