Abendzeitung, 07.08.03, München Kultur
Legebatterie für kauernde Klone, Claudia Rogge machte in München Station mit ihrem Kunst-Lkw
Im letzten Jahr reiste sie mit einem Laster voller Puppenköpfe, jetzt geht sie mit einer Ladung nackter, gebückter Männer auf Tour. Die Düsseldorfer Künstlerin Claudia Rogge bringt Uniformität und Masse zum Ausdruck. Ihre Kunst stellt sie nicht ins Museum, sondern auf den Marktplatz, konfrontiert Passanten mit Klon-Gestalten, die wie von einer unsichtbaren Macht unterworfen in einem gläsernen Bretterverschlag knien.
Jetzt machte Rogge in München Station: Siegestor, Chinaturm, Viktualienmarkt, mit ihrem Lkw steuert sie die belebtesten Plätze an, lässt ihre Kunst in immer neuem Kontext wirken – bis die Polizei kommt. Vor der Metzger-Zeile am Viktualienmarkt etwa wird die bedrückende Wirkung dieser Armee der Gebeutelten noch verstärkt, die Kauernden erinnern an Tiere auf dem Weg zur Schlachtbank.
Das Publikum zeigt sich denn auch größenteils leise beeindruckt, keiner lamentiert über den (Un-)Sinn der Kunst. Viele assoziieren „Legebatterie für Menschen, besser: für „konforme Klone“, und beginnen trotz Gluthitze zu diskutieren. Einer will sogar unbedingt eine Kamera kaufen, um die Kunststoff-Plastiken festzuhalten. Immer wieder wird die gebückte Haltung im Hinblick auf die schlechte Wirtschaftslage interpretiert – mit ihrer mobilen Installation hat Rogge offensichtlich einen Nerv getroffen.
rri
