Rheinische Post, 22. Juni 2001

"Trägheit" - letzte Todsündenaktion von Claudia Rogge kam gut an
Kunst-Happening mit Sofa

Von Gerda Kaltwasser

"Ein Happening", jubelt eine junge Mutter und schob ihre zwei Kinder, beide noch nicht im Grundschulalter, näher an die sieben Sofas heran, die gestern Mittag im Fußgängerbereich Schadowstraße zur Rats einluden. Andere suchten gar nicht erst nach einer passenden Bezeichnung, sondern ließen sich gleich auf den Möbeln nieder, Jung und Alt, Männlein und Weiblein, Herr und Hund. Die Künstlerin Claudia Rogge hatte mit diesem Schlußpunkt ihrer Aktionsreihe "Die sieben Todsünden" ungewollt eine Marktlücke entdeckt. Die Düsseldorfer ließen am Mittag des ersten kalendarischen Sommertags genüsslich die Seele baumeln.
Nein, träge waren sie nicht, machten nur eine faule Pause in der Hektik des Alltags und stellten ganz nebenbei ihre Fragen an die Künstlerin. Sie will ihre Zeitgenossen auf die Gedankenlosigkeit aufmerksam machen, mit der sie unseren Alltag behandeln. Da wird beim Essen und Trinken Völlerei betrieben, da wird mit Neid betrachtet, dass es anderen - scheinbar - besser geht als uns, da lassen wir uns antreiben oder auch mal die Freiheit beschneiden. Claudia Rogge will niemanden vorschreiben, was er zu denken hat; aber denken sollte er schon. Sie ist keine fanatische Verzichtseinpeitscherin, dafür lacht sie zu gern. Und dass die Düsseldorfer so herrlich faul auf ihre letzte Mahnung gegen die Trägheit (des Herzens) reagierten, quittierte sie mit einem spitzbübischen Lächeln. In den Monaten vorher war ihr wegen manchen amtlichen Einschreitens gegen die "Todsünden" das Lachen vergangen.