Rheinische Post, 3. April 2002
Claudia Rogge startete gestern ihre Kunst-Aktion "Mob": Der gläserne Laster mit 5000 Puppenköpfen
Mit Kunst auf die Straße gehen
Von Heribert Brinkmann
"Die kommen auf Ideen. Das gibt es doch gar nicht." Die zwei alten Frauen schütteln mit dem Kopf. Da steht mitten in der Fußgängerzone am Schadowplatz ein Lastwagen. Im gläsernen Aufbau sind rund 5000 Puppenköpfe aus Plastik fein säuberlich gestapelt. Dieser - etwas andere - Laster fällt auf. Und das ist genau das Ziel der Künstlerin Claudia Rogge. Sie will die Kunst in die Straßen bringen. Den Menschen, die nicht in Galerien und Museen gehen, kommt Rogge entgegen. Ihre Aktionen waren beim Ordnungsamt "berüchtigt", seit sie vor dem Carschhaus einen Container mit echten Schweineköpfen aufstellte.
Jetzt rollen die Köpfe wieder, im wahrsten Sinne des Wortes. Die an den Glaswänden aufgereihten Puppenköpfe sollen nicht provozieren, sondern bei den Passanten neue Wahrnehmungsprozesse auslösen. Und das gelang gestern auch.
Zuerst war das Medieninteresse größer als das der Passanten, zwei Fernsehteams und mehrere Fotografen umlagerten Claudia Rogge und ihren LKW.
Als "mob", die mobile Installation auf dem Schadowplatz stand, vermuteten ein paar ganz Gewiefte, es handele sich hier um eine Promotion-Aktion der Babyhäuser "Ulrich und Ulrike" oder "Baby-Walz". Erst als der Laster umgesetzt wird und direkt in der Fußgängerzone steht, kommt die Künstlerin mit den Passanten richtig ins Gespräch. Eine Besucherin aus Solingen hatte im Radio von der Aktion gehört und extra einen Umweg gemacht. Ein Mann kritisiert, die Babyköpfe passten nicht in unsere Zeit. Alte wären besser gewesen. Eine Frau findet das Projekt schockierend. Die kahlen Kinderköpfe erinnerten sie an krebskranke Kinder.
Claudia Rogge ist zufrieden. Die Menschen stutzen und setzen sich spontan mit Kunst auseinander. Heute geht es mit "Mob" nach Köln.