Basler Zeitung, 9./10.08.03,
Nackte Männer im Lkw auf Tour
bbe. Ein transparenter Lkw mit 66 nackten Männer-Puppen sorgte in der Basler Innenstadt für Aufsehen. Zum zweiten Mal tourt Claudia Rogge mit ihrem Kunst-Lkw durch Europa. Die 66 Männer in gebückter Haltung stellen ihre Auseinandersetzung mit Masse und Mobilität dar, erklärt die deutsche Künstlerin. Letztes Jahr erstaunte sie das Publikum mit einer chaotischen Ansammlung von 5000 plastifizierten Kinderköpfen. „Dieses Jahr wollte ich eine gradlinige, fast militärische Ausdruckform finden“, sagt Rogge.Die Deutung dieser Form ist den Betrachtern überlassen. Die Leute sollen Raum für eigene Interpretationen haben, findet sie.
„66 nackte, gebückte Männerkörper in der Umgebung der Hamburger Reeperbahn initten von Prostituierten provozieren natürlich andere Assoziationen als in Basel am Barfüsserplatz“ fasst die Künstlerin ihre Erfahrungen zusammen. In München etwa habe eine Passantin plötzlich geweint, weil sie sich an ihre im KZ verstorbenen Verwandten erinnert fühlte. Besonders in Deutschland hörte sie oft Interpretationen wie:“ Wir sind ein gebrochenes, gebücktes Volk ohne Stolz seit dem Nationalsozialismus.“ Andere würden die schlechte Konjunkturlage in der Installation wiedererkennen, erzählt die 38-Jährige. Auch an einen Viehtransporter erinnern die wie in einer Legebatterie sortierten männlichen Körper.
Der transparente Lkw ermöglicht verschiedene Ansichten:“Beim Vorbeifahren sieht man eine verschwommene Körpermasse, im Stillstand die konkrete Form“ sagt die Künstlerin. Rund 50 000 Euro kostet die Tour insgesamt. Verschiedene Sponsoren unterstützen das Projekt. Mercedes spendierte die Lkw-Inspektion und im „Hilton“ darf Rogge gratis übernachten. Fotoarbeiten und ein Buch über die 66 Nackten sind geplant. Im kommenden Frühling wird sich Claudia Rogge wieder auf die Suche nach neuen Ideen machen
