Rheinische Post, Kultur, 05 Juli 2005,


Phänomen Masse und Trägheit

Die Künstlerin Claudia Rogge untersucht in ihren Fotografien die Vervielfältigung von Körpern zu ornamentalen Landschaften.

Von Christiane Dressler

Mit gläsernem Lkw tourte sie quer durch Europa, bewegte Menschenmengen, wo immer ihr mobiler Kunstraum zum Stillstand kam. Zünd- und Diskussionsstoff barg die fremdartige Fracht: 5000 kahle babygesichtige Puppenköpfe schwebten chaotisch durcheinander, 66 Kunststoff-Männer kauerten nackt in Demutshaltung, aufgestapelt im transparenten Container. Claudia Rogge untersucht in ihrer Kunst das Phänomen der Masse, deren Trägheit, deren Dynamik, die ästhetische Struktur.
In ihren neuen Fotografien stilisiert sie durch Vervielfältigung des Ausgangsbildes Körper zu wogenen Landschaften, in deren Weite sich das Auge verliert, und die den Betrachter konfrontieren mit einem suggestiven Takt. Man hört Gleichschritt, assoziiert Persönlichkeitsverlust, Gentechnologie, Klonung und Manipulation von Menschenmaterial.
Sind dies die historisch vermittelten Bilder, die Rogge ins Bewußtsein spült, so erfasst sie ebenso die scheinbar unpolitischen Seiten von Massen, deren Rhythmus, Form und Verführbarkeit. Wer kennt es nicht, das tägliche Abtauchen in den U-Bahn-Schacht, den Freundentaumel im Stadion, den Flirt mit dem Diktat der Mode?
Ein dunkler Zopf, dichtes, lang fallendes Haar, Haare zu Schnecken gezwirbelt, hochgezurrt und festgesteckt definieren die Haltung der Trägerin: Stolz, sehr streng, sehr diszipliniert, aber auch unbändig und lebenshungrig sehen sie aus. Dazu die Falte einer Körpermulde, die Schürfwunde eines Kindes, der weiße Kragen über schwarzglänzender Lederjacke, es sind die Details, die sich in endloser Wiederholung verselbständigen zu einem abstrakten Ornament.
Als kunstvolles Muster bestimmt dieses das Gesicht der Menge und die Identität des Bildes, das sich von seinem ursprünglichen Inhalt löst.
"Sobald man sich der Masse einmal überlassen hat, fürchtet man ihre Berührung nicht. In ihrem idealen Fall sind sich alle gleich."
Hier und mit ihrer Installation im unteren Raum der Galerie bezieht sich die Kommunikationswissenschaftlerin auf Elias Canetti und dessen Untersuchungen zur Ästhetik der Masse. 20 Plexiglaskuben, beidseitig mit dem Aktfoto einer blonden Frau bedruckt, stehen wie ein gläserner Menschenwald zum "Rapport" bereit. Indem der Betrachter sie umschreitet, verzerren sich die bekannten Bilder vom Aufblühen des Einzelnen in der Menge. Hinzu treten neue, nämlich die Absonderung und Isolation von Menschen, der Zwang zur Indualitä