10.09.2011 FAZ.net

Aktuelle Kunst



Lass uns zwischen den Wellen lesen

Von Sophie von Maltzahn



Auch im Rheinland geht es wieder los: Die Galerien in Köln und Düsseldorf eröffnen die Saison gemeinsam. Viele Künstler aus der Region sind vertreten.

Siebzig Galerien in Köln und Düsseldorf eröffnen an diesem Wochenende die Herbstsaison mit einem Galeriewochenende, der „Düsseldorf Cologne Open“. Zum dritten Mal schon laden sie gemeinsam ein in ihre frisch bestückten Räume, wobei Düsseldorf mit 48 Galerien stark vertreten ist. In Köln zählt man 21 Teilnehmer. Stündlich fährt ein Shuttle-Bus die Standorte in den Städten ab. Den Weg von Köln nach Düsseldorf und zurück muss der Besucher selbst organisieren.



Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf Kunst, die eng mit der Region verbunden ist. Hans Meyer in Düsseldorf zeigt zur Premiere in seinen neuen Räume am Grabbeplatz zwar nur neun Werke, dafür kommen sie aber von herausragenden Künstler, die an der Düsseldorfer Kunstakademie gearbeitet haben: Joseph Beuys, Tony Cragg, Gotthard Graubner, Andreas Gursky, Imi Knoebel, Norbert Kricke, Nam June Paik, Sigmar Polke und Günther Uecker. Ebenfalls in Düsseldorf thematisiert der Marokkaner Mounir Fatmi bei Conrads den Balanceakt zwischen westlicher Moderne und islamischen Traditionen: Aus dem Werk „The Impossible Union“, einer Schreibmaschine für Hebräisch, entwachsen große arabische Kalligraphien aus Eisen (16.000 Euro).



Endzeitstimmung kommt bei Sies + Höke auf, wenn ein drei Meter hoher Globusständer von Kris Martin seine Funktion verliert, weil auf seiner Halterung eben kein Erdball montiert ist. Passend dazu nennt Martin die 95.000 Euro teure Skulptur fragmentarisch „Et in terra . . .“, was vollständig und in seinem biblischen Wortlaut „Et in Terra Pax“ ( „Und Friede auf Erden“) lauten würde. „Final Friday“ heißt die Einzelschau von Claudia Rogge in der Galerie Voss. Zwischen Schlangen, Harfen und Widderköpfen bewegen sich auf ihren Fotos nur mit Tüchern bekleidete Männer und Frauen in barocker Manier. Der 1,6 mal 2,1 Meter große Lambda-Print „Ever After - Paradise IV“ kostet 13.000 Euro.



Doch schauen wir nach Köln: Dort nutzen die Galerien Priska Pasquer und Jablonka die Aufmerksamkeit der DC Open, um ihre neu gegründete Partnerschaft zu verkünden. Jablonka Pasquer Projects präsentieren sich zur Premiere mit einer Gruppenschau vier japanischer Fotografen: Shomei Tomatsu, der in den Sechzigern mit seinen Fotografien von Nagasaki nach dem Abwurf der Atombombe berühmt wurde (18.000 bis 34.000 Euro), zwei Mitglieder der 1968 gegründeten „Provoke“-Gruppe Daido Moriyama (bis 12.000 Euro) und Yutaka Takanashi (3200 bis 8000 Euro) sowie Nobuyoshi Araki (8000 bis 12.000 Dollar).



Die Freiheitsstatue wird kopiert



Daniel Buchholz zeigt „Master-and-Slave-Dialectic“ mit Arbeiten von Henrik Olesen und Danh Vo. Olesen setzt dabei das Thema der Abhängigkeit in einen Zusammenhang mit der Energiefrage, indem er Polyurethan-Abgüsse von Stromkabeln an der Wand anbringt (15.000 bis 18.000 Euro). Von Danh Vo kommen fünf Blaupausen eines schematischen Aufrisses des Kopfs der Freiheitsstatue in New York (15.000 Euro). Der Künstler arbeitet zurzeit an einer originalgetreuen Kopie der Statue, die er im Oktober in Kassel ausstellen wird.



Die Galerie Figge von Rosen setzt auf den regionalen Nachwuchs mit der Absolventin der Düsseldorfer Kunstakademie Anna K. E. Es ist ihre erste Einzelausstellung; sie präsentiert darin einen frei hängenden Skulpturenpark aus phantasievollen Architekturmodellen (700 bis 8000 Euro). Die Galerie Heinz Holtmann zeigt Objekte der drei Cragg-Meisterschüler Leunora Salihu, Flora Hitzing und Herbert Willems, deren florale Strukturen alle auf den Gegensatz „Natur versus Industrie“ abzielen (Preise von 1800 bis 24.000 Euro).
Malerei ist hier eine Seltenheit.



Studentenproteste, Wasserwerfer und wütende Rücktrittsforderungen auf Demonstrationsplakaten - einzig die Frisuren der abgebildeten Personen hindern den Betrachter in der Galerie Rehbein daran, die Fotografien aus den siebziger Jahren von Jochem Hendricks für aktuell zu halten (1400 bis 21.500 Euro). Sie erinnern stark an die Proteste in Griechenland, Spanien und England. Dagegen wirken die ebenfalls schwarzweißen Fotografien von Peter Downsbrough bei Thomas Zander geradezu beruhigend. Er konzentriert sich in seinen Werken aus den Jahren 2005/6 auf leere urbane Plätze, deren klare Strukturen und Symmetrien er festhält; die Linie ist dabei das alles verbindene Element (Preise von 4500 bis 25.000 Euro).



Auffallend wenig Malerei gibt es auf der DC Open zu sehen. Die Galerie Boisserée präsentiert neue Acryl-Arbeiten von Jan Voss, auf denen er seinen detailreichen und farbkräftigen Duktus weiterführt. Auf dem Gemälde „Lire entre les vagues“ (Zwischen den Wellen lesen) sehen wir eine Zeilenstruktur, auf der Pfeile von links nach rechts die Lesart der collagenhaft überladenden Ansammlung kleiner Motive und Symbole vorgeben. (Preise bis 61.500 Euro).



DC Open. Alle Galerien sind Samstag, den 10. September, von 12 bis 20 Uhr und Sonntag, den 11. September, von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

Text: F.A.Z.