Westdeutsche Zeitung, Düsseldorf Kultur, 8. Juli 2003

Kunst-Figuren als Diskussionsstoff: Claudia Rogge hat sich von Düsseldorf aus auf den Weg gemacht.

Rätselraten um die Legebatterie


Kunst gehört unter das Volk: Mit diesem Motto und 66 Kunststoff-Figuren tourt Claudia Rogge derzeit durch Europa.

Düsseldorf. Die Düsseldorfer Künstlerin Claudia Rogge ist wieder auf Achse. Im gläsernen Kunst-Laster geht es diesmal um 66 gegossene Kunststoff-Männer, allesamt aus Polyäthyran-Schaum. Die Herren der Schöpfung müssen bei ihr allerdings kauern. Bleibt der Laster stehen wie jüngst auf dem Burgplatz, so sieht der Flaneur die einzelnen Figuren. Je schneller der Wagen fährt, desto unschärfer wird der Inhalt. Die einzelnen Figuren verschmelzen dann bis zum völlig abstrakten Bild.

Beim Standort am Burgplatz war das Rätselraten der Altstadt-Gänger groß. Einige Passanten meinten, die Figuren sähen aus wie in einer Legebatterie. Andere wunderten sich über die Art der Gebetshaltung. Kommentar eines älteren Mannes: "Die Leute in dem gläsernen Kasten nehmen die Position ein, wie sie demnächst die Rentner haben müssen, um ihr Geld zu erhalten." Aber auch von der gebückten Haltung als Zeichen der Demut war die Rede. Doch immer kommt zugleich Humor ins Spiel, wenn die nackten, gelblich glänzenden Kunststoff-Figuren dem Betrachter das eine Mal den Po, das andere Mal Knie und Kopf präsentieren. Rogges eigenes Anliegen: "Mich interessiert das Zusammenfallen abstrakter und realer Formen in der Masse."

Die 38-Jährige ist eine Meisterin der Kommunikation. Sie liebt die Diskussion. Kunst gehöre unter das Volk. Und Kunst habe nur dann Sinn, wenn sie gesehen werde und zum Gespräch anrege. Von Werken unter dem schützenden Dach eines Museums hält sie wenig. Sie gibt den Staunenden allerdings keine Antworten, keinen Katalog, keine Botschaften. "Mir ist wichtig, dass die Menschen unterschiedliche Assoziationen haben."

Ihre Arbeit ist diesmal weniger aggressiv als der Auftritt mit Schweineköpfen im Schuttcontainer vor zwei Jahren, der sich gegen die Ausgrenzung von Obdachlosen wenden wollte und die Polizei und das Ordnungsamt auf den Plan rief. Erst der Kulturausschuss konnte im Namen der künstlerischen Freiheit Geleitschutz für zukünftige Auftritte versprechen.

Das Geld für "mobil 2" stammt aus mehreren Fördertöpfen. Die Reise führt mit ihr als Fahrerin von Düsseldorf gen Süden, Norden und Westen bis nach Belgien, Frankreich, England, Niederlande, Österreich, Tschechien und Ungarn. Zwischendurch kommt die couragierte Frau allerdings immer wieder nach Hause, denn hier hat sie zwei Kinder mit dem Maler Stephan Kaluza, und der Nachwuchs will ab und an die Mutter wieder sehen.


Von Helga Meister