Hamburger Morgenpost, 9. April 2002 Kultur
Verliert sich der Einzelne in der Masse?
Mit ihrem gläsernen Lkw und 5000 Puppenköpfen ist die Künstlerin Claudia Rogge heute noch in Hamburg unterwegs
Ein Schweinekopf hinter der Fleischtheke ist normal,ist Alltag. 300 eng zusammengepferchte Schweinsköpfe irritieren, stoßen ab. claudia Rogge setzt auf provokative Masse. Vor zwei Jahren erhielt die Künstlerin für ihre Schweine- Performance in Düsseldorf vom Ordnungsamt "Berufsverbot".
Die Idee eines "mobilen Kunst-Raumes war geboren. Seit dem 2. April zieht die Düsseldorferin mit Ihrem neuen Projekt "mob" quer durch Europa. Gleich einer mobilen Bühne präsentierte sich der gläserne LKW gestern auf der Mönckbergstraße. Mit 5000 Kinderköpfen (von Puppen) in dem 7,5 Tonner hat Claudia Rogge erneut ganz bewußt auf Masse gesetzt. "Masse ist für mich etwas unheimlich Ambivalentes. Sie irritiert die Wahrnehmung, kann ein Albtraum sein, aber auch eine Wiege für das Individuum", so die 37-Jährige. Masse - ein Phänomen, das auch die Passanten beim Anblick der Kinderköpfe polarisierte: "Befremdlich", meinen die einen, "interessant" die anderen.
Die massige Maximierung des Alltäglichen - ein Thema,das Claudia Rogge schon seit Jahren beschäftigt. Und da schlägt die zierliche Künstlerin auch gesellschaftskritische Töne an: "Ich halte Individualität für eine Lüge. Wir sind ständig in der Masse. Die Frage ist nur: Veliert sich das Einzelne oder beleibt es frei?"
Miriam Müller