Süddeutsche Zeitung, München Kultur, 07.08.2003

Vorsicht, Kunscht!

Claudia Rogge verstört Passanten mit einer mobilen Installation


66 nackte, kniende Männerkörper, aus gelblichem Kunststoff gefertigt, militärisch auf Linie gebracht, vertikal in drei Ebenen angeordnet in einem gläsernen LKW: sieben Monate lang kutschiert die Düsseldorferin Claudia Rogge, die Erschafferin der Installation, ihre menschliche – oder unmenschliche? – Fracht durch deutsche und europäische Städte.
Aktuelle Station: München, Dallmayr. „Das erinnert mich an Nordkorea“, befindet ein älterer Herr, „da werden die Menschen auch so versklavt.“ Andere assoziieren Auschwitz, Genmanipulation, die Deutschen an sich – ein Volk ohne Stolz. Eine Frau bricht spontan in Tränen aus, erzählt von ihrer im KZ ermordeten Familie. Für Claudia Rogge selbst ist ihr „mob il 2“ – im Jahr zuvor tourte sie mit chaotisch angeordneten Kinderköpfen – zunächst die ästhetische Auseinandersetzung mit Masse und Form. „Was den Leuten alles dazu einfällt, könnte ich mir gar nicht ausdenken.“ Eine kleine Dame aus dem Schwabenländle erklärt ihren Begleitern mit ironischem Ausrufezeichen in der Stimme: „Des isch moderne Kunscht!“ Und: „Das einzig Gute daran isch, dass die Männer an Kotau machen.“


ALEXANDRA LEUTHNER